Sonntag, 15. Dez. 2019

 

Vorweihnacht

 

Das Licht

verdrängt die Dunkelheit,

Kontakt

der Menschen Einsamkeit,

Wärme

lässt die Kälte schwinden,

Stille

Weihnachtsfrieden finden.

 

 

Text & Foto: Josef Graßmugg

 


 

Samstag, 14. Dez. 2019

 

Lichtkind

 

Blau sind die Schatten

im Schnee.

Lichtkind das Gras,

gelbes Stroh,

das in Rispen

die Klage des Windes trägt.

 

Irgendwo wird zum Nest,

was die Einsamkeit flieht.

Ein Dorf, ein Gehöft.

 

In der Ferne ein Stall,

am Himmel ein Stern,

spürbar die Nähe und

ein Wunder des Herrn,

der mit Liebe zur Menschheit

alles Böse besiegt,                                              Text: Friederike Krassnig                                     Foto: Josef Graßmugg

wenn lächelnd in der Krippe

das Jesuskind liegt

in der Stille nächtlicher Stunde.

 


 

Freitag, 13. Dez. 2019

 

IM ANSCHAUEN DES CHRISTKINDES

Das Kind schlief in der Futterkrippe des Stalles, einem zugigen Bretterverhau, weil sich in der Herberge kein Platz fand. Niemand konnte beschreiben, wie Josef zu Mute gewesen sein musste, um vieles älter als seine Ehefrau, die selbst noch ein unberührtes zwölfjähriges Kind - und dennoch schon Mutter war. Empfangen hatte sie von einem Anderen, dem Geist, das konnte man Niemandem erklären, jeder hätte sie ausgelacht und aus dem Haus gejagt. Josef ließ es wissentlich, geduldig, ja verständnisvoll zu, er fügte sich mit positiver Einstellung nicht nur in seine Lage, diese unveränderliche Wirklichkeit, sondern empfand sogar tiefes Glück, weil er ja beide hatte, ein solches Kind und eine solche Kindesmutter.

„Siehst Du“, flüsterte Maria in Josefs Ohr, „wie sich das Aufwachen bei ihm jedesmal abspielt“. Der kleine Jesus klappte die Lider auf, und seine großen, die Umwelt immer neu entdeckenden Augen, kamen zum Vorschein. Immer intensiver leuchteten sie. Aus dem anfänglich hilflosen, fast ängstlich fragenden Schauen, wurde - wie das Eindringen des Lichts in diese bizarre Örtlichkeit eines verfallen dunklen Stalles – ein Lächeln und nach und nach ein alles einnehmendes Lachen. Das zierlich vorspringende Näschen und die unmerklich geöffneten Lippen eines zart geformten Mundes ergaben in einem solch rundlichen Babygesicht ein Unterpfand für erwachende Heiterkeit, welche mit so viel Vertrauen ausgestattet war, wie es nur von einem Kind ausgehen kann. Seine Augen wendeten sich einmal zu Maria, dann zu Josef, schon aus dieser Schaukelbewegung des Blickes ganz offensichtlich Heiterkeit beziehend. Während er wie beiläufig Gewohnheit und Überraschung nebeneinander unterbrachte, verblieb für Jesus noch Zeit, lallend seine eigenen Beine und Füße zu begrüßen, um erst dann die kleine Faust zum Mund zu führen. „Es ist immer das Gleiche“, bemerkte Maria liebevoll, „er begrüßt seine Hände und Füße, wenn er aufwacht. Und er tut so, als ob er mit ihnen reden würde.“

Wenn Maria und Josef die erste Lebenszeit „ihres“ Kindes auch in einer solchen unwirtlichen Umgebung erleben mussten, das Kind verwandelte auf seltsame Weise das Verwahrloste in etwas Erhabenes. Das Kind lag interessiert umherblickend, manchmal länger einem Gegenstand zugewandt, ein andermal alles im Umkreis überblickend. Aus diesem kleinen Wesen strömte so viel an Gelassenheit, dass selbst die Neugier in eine geordnete Intelligenz eingebettet schien. Das Staunen über alle Verabreichungen war wie getragen von einem heiteren, geradezu selbstbewussten Dasein. Der Ablauf der Eindrücke mündete im Blick auf eine verfallene, lückenhafte Bretterwand und einen anderen steinernen Futtertrog, wie dem, in welchem man selbst lag, aus welchem ein Esel und ein Ochse ihr Futter fraßen. Auch das sah Jesus lächelnd. Als ihn Maria in der gemeinsam eingespielten Weise an ihre Brust anlegte, war es natürlich mit der Fassung vorbei, und hastig aufrückend konnte das Köpfchen und der Mund diese Verbringung und das Stillen gar nicht mehr erwarten – das Trinken begleitet vom wissenden Lächeln der Mutter. Kaum gestillt, wendete sich Jesus immer wieder mit Halbdrehungen zu Josef um und lächelte ihn an. Zum Bäuerchen machen von Maria auf die Schulter gehoben, wiederholte sich der Vorgang des Umdrehens und diesmal aus ganzer Kehle Lachens, so dass sich manchmal das kleine Stimmchen überschlug. So wurde auch Marias Lachen wie selbstverständlich ausgelöst. Ein unbefangenes, grenzenloses Lachen. Josef lächelte und empfand dabei dieses Glück, dieses einfache und grenzenlose. Jedes Mal, wenn sich Josef seine Rolle, seine Aufgabe, vor Augen führte, die ihm übertragen war und die er ausfüllen durfte, empfand er voll Freude diese Aufregung, die nicht zuletzt aus der Tatsache herrührte, dass er dieser viel jüngeren, kindlichen Frau angetraut war, die für ihn eine Einheit mit dem Kind darstellte. Das war für ihn ein wirkliches Wunder. Er war dieser Frau und diesem Kind in wirklich liebevollster Weise zugetan. Er wollte und konnte gar nicht zu Ende denken, was mit dieser Frau geschah. Diese Art der Empfängnis und dennoch eine schmerzhafte Geburt, die sie so tapfer ertrug. Und über alle Freude hinaus, gab es da stets die Sorge, bestand sogar Angst um das Schicksal dieses Kindes, in einer so abweisenden, geradezu feindseligen Welt. Manchmal beobachtete er Maria von der Seite her. Oft lachte sie selig übers ganze Gesicht. Doch manchmal, vor allem, wenn sie ganz offensichtlich über die Zukunft ihres Kindes nachdachte, sah er dieses Glitzern feinster Tränenperlen ihre Wimpern hin- und her irren, wie sie nach innen weinte, und die Tränen nicht über den Rand des unteren Lides quollen, sondern sich nach innen senkten, wie ein nach innen fallender Vorhang. Während das Gesicht wieder etwas kindlich Verletzbares, nach innen gekehrt Frauliches annahm - weich und schön - in sich erwägend, bergend, unbesiegbar ergeben, jedoch der Folge unvermeidlichen Schluckens in immer kürzerer Abfolge ausgesetzt. Sie wisse freilich, dass es Fragen gebe, die nur das Leben beantworten könne…“Ich werde verstehen lernen und dafür beten. Um meinetwegen werde ich verstehen lernen. Um meinetwegen und um aller wegen werde ich beten, wenn ich aufwache und einschlafe. Worte, von denen ich nicht immer weiß, was sie bedeuten, so wie ich die Bedeutung von Vielem im Leben und im Tod nicht kenne. Wenn ich oft nicht weiß, was es bedeutet, bete ich einfach,  spreche und singe. Wie die Stimmen, die mein Frühlingsgefühl auslösen, die Vogelstimmen. An vieles habe ich mich noch nicht gewöhnen können. Es ist einfach ungewohnt für mich. Vielleicht kann ich es durch Dich verstehen Josef, oder durch mein Kind-Jesus.“

Irgendwann im Zuge dieses dreisamen Zusammenseins und der entwickelten Gedanken, setzt ein leises Quengeln des Kindes ein. Josef nimmt es aus der strohbedeckten Futterkrippe, schaukelt es bedächtig in seinen Armen und redet dem Kind zu, ein bisschen zu schlafen, bis Jesus mit immer mehr geschlossenen Lidern wieder in den Schlaf überwechselt. Kein Tierlaut, kein Hufscharren des Esels und kein Fliegen vertreibendes Schwanzwedeln des Ochsen kann Jesus dem Schlaf entreißen. Wenn er zu quengeln beginnt, genügt meist Josefs schaukelnde Armbewegung, um Jesus zu beruhigen, es muss immer alles in Bewegung bleiben.

So gestaltet sich das Leben dieser drei Menschen, die man, wenn die Wirklichkeit es nicht besser wüßte, als ganz natürliche Familie ansehen würde. Ein Kind, nicht aus der körperlichen Liebe seiner Eltern entstanden? Aber hier war etwas, das weit darüber hinausging, in unvorhersehbarer, unermesslicher Freude und unvorhersehbarem, unermesslichem Leid. Wie eben auch alles Leben und aller Tod so eng beieinander liegen.

Oft denkt Josef ebenso vor sich hin. Ruhig läßt er jeden Tag im Anschaun dieses Kindes ausklingen. Dabei hält er liebend - wärmend seine Frau Maria im Arm. Und jeden Tag die selbe Frage, die er sich stellt. Nicht etwa diejenige, warum er nicht der leibliche Vater sein konnte, auch nicht diejenige, warum seine Familie nicht aus der leiblichen Vereinigung entstanden war, sondern nur die eine Frage, die er sich jedes Mal schon im gleichen Atemzug der Fragestellung auch schon selbst beantwortet: Nein, ich kann nichts mehr verlangen, weil mir ohnehin schon das Größte geschenkt wurde, was einem Menschen gegeben werden kann: ein gesundes Kind.

 

Text: Wolfgang Mayer-König                                                                                                  Foto: Josef Graßmugg

 


 

Donnerstag, 12. Dez. 2019

 

 

 

Zu Weihnachten, zur stillen Zeit werden Kinderherzen wieder höher schlagen, wird uns wieder warm ums Herz, wenn Herzlichkeit in Strömen fließt. Es werden wieder herzergreifende Weihnachtslieder gesungen und gespielt. Und uns zerreißt es das Herz, wenn Menschen all das auf der ganzen Welt nicht erleben dürfen.

Doch manchmal genügt einfach der Duft von Lebkuchen...

 

 

 

 

Text & Foto: Barbara Klein

 

 

 

 


 

Mittwoch, 11. Dez. 2019

 

Auf deinen Spuren

 

Mit kristallenen Glocken

läuft der Wind über die Hänge.

Hörst du die silbernen Klänge

aus den Geflimmer der Glocken?

 

Wild fährt er mit frostiger Hand

über die Wipfel der Bäume,

wirft seine eisblauen Träume

über das schlafende Land.

 

In seinem Atem zerstieben

die Fährten von Hase und Reh.

Mir aber, wandernd im Schnee

sind deine Spuren verblieben.

 

                            Foto: Josef Graßmugg                                         Text: Gerti Kornberger

 


 

Dienstag, 10. Dez. 2019

 

Fragen

Die Sonne: Göttin. Lebendig, lenkendes Sein der Galaxie, mit Wissen, Willen und Macht. Niemals berechenbar. Die Erde: ihre Tochter. Der Mond: ein Gott. Die Planeten: Wesen, handelnd, nicht Kräften ausgeliefert. Der Wind: ein Bote. Das Wasser: Spiegel von Leben und Licht. Die Steine: Träger der Kräfte des Universums. Sie alle handeln und wissen. Sie alle sind Wille und Kraft. Sie alle sind dir Gegenüber. Sie alle können dir Antwort sein. Sie alle kannst du fragen. Wenn du vor ihnen bestehst.

Alles ist Leben. Nimmst du es heute auf? Es ist überall. Eis auf Felsen, warum trägt dich das? Formen, die das Wasser vor der Kälte gerade noch hat schaffen können. Leuchten. Farbe, woher kommt die Farbe? Das Eis auf den Steinen hält. Du fragst jetzt nicht mehr, warum. Es ist überall. Hat dich längst bemerkt. Langsam. Wie nahe darfst du? Frag jetzt das Eis. Es lässt dich nicht zu weit vor. Frag das Wasser. Es lässt dir dort, wo du hintreten darfst, einen Weg. Langsam. Wie ehrlich kommst du? Frag den Winter. Er wird dir drohen, damit du dich nicht zu weit exponierst. Leg ab, was du ablegen kannst. Die Sonne zeigt sich noch nicht. Langsam. Wie ruhig bist du? Frag die Kälte des Wassers. Wenn dein Atmen es mit ihr aufnimmt, bist du ruhig. Lass dir die Zeit, die du brauchst. Dort, wo das Wasser von oben, entlang des Felsens in ein Becken fällt, versperrt ein umgestürzter Baum überhasteten Zutritt. Frag den Baum. Du trägst keine Schuhe mehr. Wenn er es nicht für gut hält, lässt er dich nicht weiter. Frag das Eis auf dem Baum. Frag das Wasser darunter. Wenn es nicht gut ist, lässt es dich nicht vor in das Becken unter dem Wasserfall. Du bist der Kälte jetzt ausgesetzt. Bist du ruhig? Nähere dich diesem Wasser nicht ohne zu fragen. Frag nach jedem Schritt. Wenn das Wasser dich aufnimmt, geh weiter. Mach dich bereit, dass die Sonne dich in diesem Becken sieht. Tropfen des Wasserfalles kommen auf dich. Du bist zum ersten Mal da. Der Wasserfall lässt dich heute nicht weiter. Angekommen, für heute. Es ist überall. Es ist stark.

Bist du bereit, dich der Sonne zu zeigen? Bist du bereit, dich hier, heute, der Sonne zu zeigen? Bist du jetzt bereit? Bilder über dir. Wer könntest du sein? Bilder der Wünsche, der Ziele, der Sehnsucht. Wer könntest du sein? Was erwartet die Sonne? Bist du bereit, dich der Sonne zu zeigen? Es wird jetzt hell. Vielleicht vergeht viel Zeit. Vielleicht keine. Es wird jetzt hell. Sie sieht dich jetzt. Die Sonne steht jetzt über den Felsen. Sie sieht dich jetzt.

Sie sieht dich . . .

Sie sieht dich.

 

Text: Elisabeth Hinterplattner                                                                                                               Foto: Josef Graßmugg

 


Montag, 9. Dez. 2019

 

Weihnachtshoffen

 

Nähert sich die Weihnachtszeit,

hoffen alle, dass es schneit,

 

dass Geschenke unterm Baum

uns erfüllen einen Traum,

 

der im Christkindbriefchen steht,

wenn es mich auch recht versteht,

 

dass der Baum den Raum erhellt,

die Eltern, mich, die ganze Welt!

 

Text: Richard Mösslinger                                                                                                                    Foto: Josef Graßmugg


 

Sonntag, 8. Dez. 2019

 

 

 

Kristalle

Scheinbar schwer

drücken Rosenrot

In weißes Bett

Aus Eis.

Hoffnungsvolles Leuchten!

Vergangen,

Vergänglich?

 

 

 

 

 

 

Text & Foto: Barbara Klein

 


 

Samstag, 7. Dez. 2019

 

Es

 

(Gottsuche im Advent)

 

Manchmal glaube ich Dich zu kennen.

Es riecht ein dunkler Stein nach Dir,

ein Abend im Mai.

Oder ich seh Dich im Winter

schlafend im Schnee.

Wie weiß Dein Körper nur ist!

In den Wolken treibst Du, wehst im Wind.

Dann seh ich Dich im Feuer wieder.

Rot gewandet tanzt Dein Körper

zum Knistern feuchten Holzes.

 

Du bist es, der im Feuer singt,

dessen Geruch aus Ackererde dampft.

Im Bach fließt Deine Stimme,

sie dröhnt im Donner, leuchtet im Blitz.

Selten nur singst Du aus der Stille.

Dann bist Du ganz nah.

Dann meine ich, es gibt Dich gar nicht

oder es gibt nur Dich.

Einerlei -

dann bin ich ganz nahe.

Text: Roland Krassnig                                                                             Foto: Josef Graßmugg

 


 

Freitag, 6. Dez. 2019

 

Einkaufserlebnis

 

Als Martina vom Kindergarten nach Hause kam, hatte sie kaum Zeit, ihrer Mutter zu erzählen, was sie an diesem Tag schon alles erlebt hatte. Sie musste sich mit dem Essen beeilen, weil sie gemeinsam mit der Mutter in die Stadt fahren wollte, um einzukaufen. Da sie diesmal auf das sonst übliche herumtrödeln verzichtete, waren sie bereits am frühen Nachmittag unterwegs.

Zunächst gingen sie in ein Geschäft, in dem es vor allem Lebensmittel zu kaufen gab. Das kam Martina sehr gelegen. Sie rechnete nämlich damit, dass ihre Mutter irgendwelche Naschereien kaufen würde, von denen es dann gleich eine Kostprobe gäbe.

Als sie zum Regal mit den Süßigkeiten kamen, war Martina sehr erstaunt: "Mama, warum stehen hier so viele Schokokrampuse und Nikoläuse? Kann man die kaufen?"

Der Mutter blieb wenig Zeit, sich eine passende Antwort zu überlegen.

"Nein, mein Kind. Alles, was in diesem Regal steht, kann nur vom Nikolaus gekauft werden. Er schenkt es dann weiter an die braven Kinder."

"Ach so." Martina war mit dieser Erklärung zufrieden. Obwohl sie natürlich gerne einen Nikolaus oder Krampus in den Einkaufswagen gelegt hätte. Aber was sollte man machen, wenn das nur der Nikolaus durfte?

Während die Mutter versuchte, alle Lebensmittel, die sie sich notiert hatte, zu finden, interessierte sich Martina für das vorhandene Angebot an Spielzeug.

Ob sie Mama den Vorschlag machen sollte, eine Puppe zu kaufen?

Plötzlich erschrak sie.

Was machte der Mann an diesem Regal? Er hatte sich doch tatsächlich einen Nikolaus in seinen Einkaufswagen gelegt. Jetzt griff er auch noch nach einem Krampus!

Martina wurde nervös. Dieser Mann – er hatte einen Bart. Es war noch kein richtig weißer Bart, aber er könnte in den nächsten Tagen ja noch weiß werden.

Die Kleidung dieses Mannes, der inzwischen noch einen Nikolo in seinen Wagen gelegt hatte, verriet nicht wer er war. Sogar ihr Papa hatte eine ähnliche Jacke. Aber er konnte sich ja umziehen...

Martina gelang es kaum noch, sich ruhig zu verhalten. Was sollte sie jetzt nur machen? Die Mama rufen?

Nein, wer weiß, ob Erwachsene den Nikolaus überhaupt sehen können.

Aber sie, sie sah ihn...

Niemanden sonst im Geschäft war er aufgefallen. Das Mädchen blickte ihm nach, bis er mit seinem Einkaufswagen, den er am Nikolausregal angefüllt hatte, hinter einer Säule verschwand.

 

Es war, als müsste die Mutter sie wachrütteln. "Martina, was ist los mit dir? Träumst du?"

Erst jetzt merkte Martina, dass ihre Mutter bei ihr war. "Nein Mama, ich..." Sie unterbrach den Satz, den sie begonnen hatte. "...ich habe mich nur ein wenig bei den Spielsachen umgesehen." Martina beschloss, ihr Geheimnis für sich zu behalten.

Im Laufe des restlichen Nachmittages fiel der Mutter auf, dass Martina immer wieder vom Nikolaus sprach.

 

Text: Josef Graßmugg                                                                     Foto: Katrin Emmerstorfer

 


 

Donnerstag, 5. Dez. 2019

 

Abwurf

 

Abwerfen

die Last

vergeudeter Zeit.

 

Zifferlos

die Lebensuhr,

bevor der Tag

sich neigt.

 

Vom Abendstern

begleitet

erscheint die Nacht

als Freund.

 

Und

aus der Umarmung

schält sich

Traum um Traum…                                Text: Ruth Barg                                     Foto: Andrea Lammer / Volitiva

 


 

Mittwoch, 4. Dez. 2019

 

Blüten im Winter können wahrlich schön sein. Und gut schmecken, wie diese hier. Ein bisschen was von allem und noch ein süßer Abschluss, perfekt ist der Wohlgenuss.

Text & Foto: Barbara Klein

 


 

Dienstag, 3. Dez. 2019

 

Irena Habalik

 

Winter

 

Was soll man noch schreiben über den Schnee

der die Böschungen, Gullys verfärbt

die Zitterpappeln, die Trauerweiden tröstlich umfängt

Der Schnee ist kindisch, kitzelt, streichelt die Wangen

will verzaubern. Das Weiße ist weise, genügsam,

es ist die Unschuld, die Entschuldigung für das Düstere,

 

für die noch nicht erfundenen Farben, es liegt aufgeschlagen

vor dir wie das Land, das du vielleicht liebst

Das Gesicht des Mannes, der im Fieber

über das Giebeldach will, wird erhellt und wir

haben Augen nur für das himmlische Spiel

 

Was noch schreiben von dem windversprühten Blau

den weißen Raben

wo träumen sie sich hin oder lugen sie nur

aus einem Bilderbuch, vom Winterpeitschen verschont

den wunden Krähen beneidet

Nachsicht der Stunde, lichttiefe Töne werde ich einmengen

und was sich nicht hineinfügt übermalen

Es wird flittern wie die stille Nacht in der Krippe

 

An so einem flockigen feinüberzuckerten Tag

versöhnt man sich mit der Welt

Man könnte schreiben vom Schneevermächtnis:

auftauchen, auftauen und bleiben im Gedächtnis

 

Foto: Josef Graßmugg

 


 

Montag, 2. Dez. 2019

 

lieber gott

bist du lieb?

oder doch

eine göttin?

 

ich halte

mich fest

an dir

denn du bist

in der frau

in dem freund

 

bist einfach da.

 

 

                               

                                    Text: Fritz Edelsbacher                                                                                   Foto: Josef Graßmugg

 


 

Sonntag, 1. Dez. 2019

Gerti Kornberger

 

Innere Stille

 

Könnte ich malen

ein Bild der Stille,

wär´ es die Spur

des Wildes im Schnee.

Wär´ es verstummtes

Schlittengeläute,

Dampf von den Flanken

rastender Pferde.

 

Könnte ich malen

ein Bild der Stille,

wär´ es ein Wald

im Spiegel des Sees,

Bergsilhouette

in Morgenröte,

Nebel, sich hebend

über den Feldern.

 

Malen möchte ich

in heiteren Stunden

die Bilder hinter

geschlossenem Lid,

denn auch im lauten,

lärmenden Treiben

hüte ich diese

Stille in mir.

 

Foto: Josef Graßmugg