Rezension zu "Sarania – Das Vermächtnis der Magier"

von Lisa-Marie Tassati

 

Vor etwa anderthalb Monaten wurde ich gefragt, ob ich Interesse hätte, eine Rezension zu schreiben. Zuerst dachte ich mir – besser nicht, aber irgendwann gibt es immer ein erstes Mal. Zu diesem (meinem) ersten Mal habe ich mich aufgrund meiner Neugierde entschieden, denn die Anfrage stammt von einem Jungautor, der bloß ein paar Jahre älter ist als ich.

Sein Debütwerk „Sarania – Das Vermächtnis der Magier“ erinnerte mich zu Beginn sehr an „Eragon – Das Vermächtnis der Drachenreiter“ von Christopher Paolini, doch wenn man hier eine Kopie des Werkes erwartet, hat man sich tief getäuscht. Auch wenn sich die Landkarte, die Namen, und der Beginn der Handlung ähneln, liegen zwischen den Büchern Meilen, vor allem was den Schreibstil anbelangt. Zwar möchte ich nicht behaupten, dass Eragon ein schlechtes Buch ist – nein, ich liebe es. Aber es besitzt in meinen Augen vor allem für die junge Generation einen hohen Wert. Auch wenn die Gespräche in „Sarania“ zeitenweise plump oder abgehackt erscheinen, oder Handlungen zu abrupt enden, macht die Wortwahl alles wieder wett, vor allem da mir dies nur zu Beginn so vorgekommen ist. Nie kam es mir vor, dass mir etwas doppelt erzählt wurde und man merkt, dass es Kledtke sehr wichtig ist, den Leser nicht direkt vor den Kopf zu stoßen.

Aber nun einmal zum Plot. Wie bereits erwähnt kommt es einem zu Beginn vor, als würde man es kennen, doch je weiter man mit dem Lesen kommt, umso spannender wird es. Kledtke baut die Handlung einfach auf, schafft es aber dennoch zu überraschen. Vielleicht schmettert er ein wenig zu schnell auf die Tasten ein, vielleicht wollte er schnell zu den Szenen kommen, die er sich ausgemalt hat, denn es fehlen – für mich – einfach die ausführlichen Beschreibungen, wie jemand aussieht oder wie etwas aussieht, beispielsweise. Aber auch wie Belanir sich fühlt, kommt meistens etwas abgehackt rüber. Ich hätte mir gewünscht, etwas mehr an feineren Beschreibungen zu lesen.

Ich kann sehr leicht über die kleinen Holpersteine hinwegsehen – mit Ausnahme einer Sache: Mir als Frau fällt sowas auf, vor allem da ich bereits etliche Bücher dieses Genres gelesen habe: Die Rolle der Frau ist für Kledtke nur nebensächlich. Es kommen nur sehr wenige weibliche Wesen vor und wenn, dann werden sie in irgendeiner Form abgewertet, die eine ist schwach und naiv, obwohl sie kämpfen will, während eine andere düstere Gedanken hegt und der Gier nachgibt. Letztere kommt nur nebensächlich in der Handlung vor.

Ein weiterer Punkt der mir sehr am Herzen liegt, sind die parallel ablaufenden Handlungsstränge. Ich bin mir nicht sicher, ob der Magier für Kledtke ebenso ein Protagonist ist wie Belanir, oder ob er gar ein Antagonist wird. Ich vermag es nicht zu sagen, doch Sacerak wird mich sicher noch überraschen.

Alles in allem ist Sarania jedoch ein gelungenes Werk, das ich mit Freuden weiterempfehle und von dem ich sicher auch die nächsten Teile lese. Und bis auf diesen Fauxpas mit der weiblichen Rolle (vielleicht überrascht uns Kledtke noch) kann man über jegliche Fehler hinwegsehen – denn wer ist schon perfekt?

Ich für meinen Teil werde dieses Buch ein zweites Mal lesen. Danke für dieses Werk!