Dzieciństwo w Polsce – Dzieciństwo w Niemczech.

Proza i Poezja

Kindheit in Deutschland – Kindheit in Polen.

Prosa und Gedichte

 

Liebe Freunde, Kollegen und Literaturinteressierte.

Ja, das war es. Drei Lesungen, drei unterschiedliche Städte, wechselnde Autorinnen und Autoren, aber immer ein interessiertes Publikum. Und immer „unendlich“ lange Lesungen. Polen ist als „literaturverrücktes Land“ bekannt, noch während der kommunistischen Zeit war es üblich, dass Gedichtbände mit einer Startauflage von 15000 Exemplaren erschienen sind (und die wurden auch gekauft), aber auch in Berlin und Potsdam haben die Besucher/Zuhörer ausgehalten. Eine Lesung über fast drei Stunden ist eigentlich – nach gängiger Ansicht –nicht zuzumuten. Doch, doch, es klappte, auch wenn während der Pause auch einmal Einer (Eine) verschwand, blieben die Reihen doch gefüllt. Die Diskussion nach jeder Lesung zeigte das Interesse der Menschen. Das Interesse an der Literatur, aber auch an den Autoren und deren Erzählungen. Auch der österreichische „Exote“ und sein Beitrag wurden hinterfragt und behandelt. Die Lesungen gehen ja noch weiter, bis zum 5. Dezember wird noch an 12 Stationen gelesen und diskutiert. Es zeigte sich, dass die Kindheit, egal ob die Nachkriegs-, Aufbaukindheit oder jene der „ruhigeren“ Jahre, das Interesse weckte und zur Stellungnahme herausforderte. Nicht nur einmal wurde mir von anwesenden Damen gesagt, „ja so ähnlich haben wir und unsere Mütter diese Zeit erlebt“ Dabei ging es der Veranstaltungsreihe nicht um Chronik (ein wenig schon auch), sondern darum, bestehende Grenzen abzubauen. Es gab diese Grenzen zwischen Polen und Deutschland, es gibt sie teilweise noch immer, jahrhundertelang ist man sich gegenseitig nichts schuldig geblieben, hat Schuld angehäuft und vergessen diese abzutragen. Nun, ein kleiner aber wesentlicher Beitrag ist damit geschehen. Der ehemalige Kultusminister von Brandenburg Dr. Enderlein wies in Berlin und Potsdam darauf hin, dass es an der deutschen Seite liege, mit dem Abtragen des Schuldberges fortzufahren und sich nicht darauf zu verlassen, es seien nun andere, neue Generationen tätig. Als Lücke empfand ich es, dass gerade von der polnischen Seite meine Generation überhaupt nicht vertreten war, ist das womöglich eine Grenze, die noch besteht???

Kommen wir zum literarischen Teil. Natürlich, es lässt sich nicht über einen Kamm scheren, dazu sind die Stilarten, die literarischen Formen, die behandelten Themen zu unterschiedlich. Aber der Herausgeber Heinrich von der Haar hat es tatsächlich geschafft, ein hohes Niveau aller Beiträge sicherzustellen. Auch wenn es sich manchmal um Texte handelt, die durchaus dem Experiment zuzuordnen wären, die impressionistisch angehaucht, Lyrik und erzählende Prosa, berührende Lyrik zu Auschwitz, erhebende, beruhigende Kindheitserinnerungen – alles hatte wohlgeordnet Platz bei den Lesungen und in der Anthologie. Um der noch immer vorhandenen negativen Polung und der weitgehenden Sprachlosigkeit über die Grenzen hinweg zu begegnen, wie der Herausgeber betonte. Sagen wir es einmal sehr beckmesserisch: Wenn auch bei den Texten kein einziger DAS alles überragende Meisterwerk ist, so ist die Gesamtanthologie durchaus ein solches!

Was bleibt? Eine Fülle von Freundschaften, Kontakte mit Autoren aus Polen für unser Reibeisen (wir hatten ja schon eine ganze Reihe polnischer Autoren in den vergangenen Jahren) und die Idee, das Verlangen, dies fortzusetzen. Es gibt ja auch bei uns in der Steiermark Menschenschicksale, die den Geschilderten gleichen: Zerstörung, Zerfall, Vertreibung, Flucht und Neuanfang. Und das sind nicht nur die Heimatvertriebenen des Zweiten Weltkrieges (die auch, deren Schicksale wäre ebenfalls literarisch aufzuarbeiten, historisch hat das Dr. Josef Kaltenböck in früheren Reibeisen bereits gemacht), das sind die vielen „neuen Bürger“ in unseren Städten, diejenigen, die als Gastarbeiter kamen und geblieben sind, das sind die vielen Menschen mit Migrationshintergrund und deren Kinder, die unsere Volksschulklassen bevölkern. Da wären Schicksale aufzuarbeiten, da wären aber auch Grenzen abzuarbeiten. Beginnen wir damit, bevor es Schuldberge werden. Mit der albanischen Community gab es ja schon einen ersten Versuch in Kapfenberg, das wäre fortzusetzen, zu erweitern. Und es wäre schön, nein, es wäre notwendig und anständig, auch Kollegen, die in der Anthologie vertreten sind, zu uns einzuladen. Ein wenig Geld müsste man dafür in die Hand nehmen, vielleicht bei den Sitzen im neuen Eisstadion ein wenig einsparen (die Sitze im VIP Bereich etwas weniger luxuriös gestalten) und dafür sagen wir einmal € 10 000 für ein Literaturtreffen Polen/Deutschland/Steiermark und unsere neuen Bürger vorzusehen und zu budgetieren. Ich kann persönlich garantieren, die Kollegen würden nicht in 1. Klasse der AUA oder LOT sondern in der normalen Touristenklasse anreisen – womöglich auch als Gruppenreise per Bahn. Sie sind ja bescheidene Dichter und keine Politiker, die es gewöhnt sind, auch auf Reisen verwöhnt zu werden.

Was bleibt: Eine Freude, erst einmal überhaupt als Österreicher eingeladen zu sein, dann auch die Möglichkeit zu erhalten, an den Lesungen teilzunehmen. Eine neue Stadt – Krakau – kennen zu lernen und dabei Vorurteile abzubauen. Vorurteile, die letztlich dahin gingen, naja Polen und der Osten überhaupt. Ich habe Krakau als eine Musterstadt kennen gelernt, eine Stadt, deren Besuch zu empfehlen ist (auch den Kommunalpolitikern in D und A), die einfach wunderschön und gepflegt und sauber ist. Ich habe Freunde getroffen, die wunderbare Literatur schaffen, trotz aller sprachlichen Schwierigkeiten kontaktfreudig sind und weltoffen. Es waren beglückende Erlebnisse in drei unterschiedlichen Städten mit interessiertem Publikum und spannenden Gesprächen über die vorgelesene Literatur. Und genau das meine ich, sollte nicht auf diese einzige großartige Lesereihe beschränkt bleiben. Kapfenberg rühmte sich einst (Dr. Mikesch ist diesbezüglich nachzutrauern) eine Kulturstadt zu sein, immerhin schaffte es Kapfenberg in den Jahren des einsetzenden Wiederaufbaues, eine Musikschule zu gründen, eine Stadtbücherei aufzubauen, (ganz Kärnten hat bis heute noch keine vergleichbare), Künstlerförderung zu betreiben durch gezielte Ankäufe von Kunstwerken, und Kulturtage abzuhalten, welche damals internationale Bedeutung hatten und entsprechendes Echo fanden (ohne eigenartige Bewegungstherapien in den Straßen Kapfenbergs). Trotzdem in einer Zeit, in der mehrere tausend Menschen in Baracken hausten, die Werksanlagen zum Großteil noch zerstört waren, die Infrastruktur neu aufzubauen war, es wurde auf die Kultur nicht vergessen. Ja, auf den Sport wurde auch damals nicht vergessen. In Zeiten großer Sorgen und beschränkter Mittel wurde Großes geschaffen – in Kapfenberg, in der Steiermark, in Österreich. Es wäre schön, wenn wir in Anthologien nicht einmal schreiben müssten, ja damals...

Mit dieser großen Hoffnung verbleibe ich mit meinem Rückblick auf eine spannende und großartige Lesereise!

Hans Bäck

  


 

Start einer Lesereise in einer der schönsten Städte Europas

Ja, wirklich und ohne Übertreibung: Krakau halte ich für eine der schönsten Städte Europas! Ob es sich dabei um die mustergültig instandgesetzte Altstadt handelt, den prachtvollen Wawel, die unterirdische Stadt, die vielen Museen, die vorbildlichen Öffentlichen Einrichtungen wie Busse, Tram und (jawohl, auch diese) WC-Anlagen, es ist eine Freude in Krakau unterwegs zu sein. Dazu kommt noch etwas, das ich in vielen besuchten Städten vermisste: eine Sauberkeit der Straßen, Plätze, Parkanlagen, Haltestellen, die echt beeindruckend ist. Da liegen keine „Tschick“ bei den Haltestellen, die werden in die reichlich vorhandenen Behälter entsorgt, da gibt es an allen Straßen und Plätzen geschätzt alle 50 m einen Abfallbehälter, die Sauberkeit der öffentlichen WC Anlagen ist vorbildlich (dafür bezahlt man die 2 Zloty= 50 Cent gerne), die Anlagen der Restaurants und Cafés stehen dem aber nicht nach, sogar am Markt, dem Kleparski Rynek sind die (unterirdischen) öffentlichen Toiletten blitzsauber! Da komme niemand und spreche etwas von „Polen“ oder „Osten“.  Wenn ich da an die öffentliche WC-Anlage zu Hause neben der VS-Stadt denke – da ist tiefster Balkan! Der alte k. u. k. Bahnhof „Krokòw glowny“ längst ersetzt durch einen modernen, allen Ansprüchen gerecht werdenden funktionell super geplanten Bahnhof incl. integriertem Busbahnhof, der alte Bahnhof ist erhalten, vorbildlich restauriert. Sowohl die klassizistische Fassade (incl. der Färbelung in – erraten – Schönbrunnergelb), als auch die gußeisernen Pfosten mit den Ketten zur Verhinderung des Betreten von Geleisen strahlen das Flair der Vergangenheit aus.

Doch genug geschwärmt von der Stadt, schließlich war ich ja wegen der Literatur in Krakau. Die polnischen Freunde und das Literaturkollegium Brandenburg hatten im örtlichen Goethe-Institut eine Lesung vorbereitet. Der Publikumsansturm hielt sich zwar in Grenzen, jedoch waren die vorgelesenen Texte aus der gemeinsamen Anthologie „Eine Kindheit in ... Dzieciństwo w Polsce...“ sehr gut ausgewählt, von Božena Boba-Dyga charmant übersetzt und kommentiert, durchaus dazu angetan, mehr davon zu lesen, zu hören. Drei Stunden dauerte die Veranstaltung, und niemand lief davon! Also Literatur kann schon fesseln! Spannende Texte, sowohl der polnischen als auch der deutschen Autoren! Ich freue mich schon auf die Fortsetzungen in Berlin du Potsdam! 

Natürlich nicht nur Gläubige vor der Marienkirche am Rynek, einfach Menschen, von der Schönheit begeistert!

Den Steirer frisst da der Neid!

 

                      Die prachtvolle Kathedrale am/im sagenumwobenen Wawel, der uralten Königsburg

 

 

Am Ufer der Weichsel mit dem Wawel im Hintergrund

 

 

Bei der Lesung: am linken Rand Heidi Ramlow, Heinrich von der Haar, Lucia Dudzinska, Božena Boba-Dyga, Hans Bäck

 

Es ist erfreulich, wie die Idee der „Grenzüberschreitung“ in den Texten realisiert wurde.

 


 

Donnerstag, 11. Juni 2015 / Tag der neuen Texte im Literaturkreis Kapfenberg

 

Darf ein Lyriker alles?

Die einen meinen, ja und nicht nur der Lyriker, der Novellist, der Romancier, der Schriftsteller, der Dichter, ja alles dürfen sie.

Nein sagte der Andere, sie dürfen vieles nicht!

Wo bleibt die künstlerische Freiheit, sagten die Ersten wieder.

Das Wichtigste Gebot für den der schreibt, ist bei den zehn Geboten zwar erst das siebte, für uns aber hat es das erste zu sein: Du darfst nicht stehlen! Sagte wieder der Andere.

Falsch riefen sie im Chor, Hermann Burger sagte schon, dass nur der Laie borge, das Genie aber stehle.

Ja, auch das stimmt, sagte der Andere wieder, aber lassen wir doch den gelungenen Ausspruch eines großartigen Dichters, wie Hermann Burger einer war, so stehen, wie er gemeint war: als Apercu, als Einfall, als nette Nebensache.

Nein, es steht uns frei zu schreiben, was und wie wir wollen – so der vielstimmige Gesang der Sirenen der Literatur.

Doch der Andere blieb standhaft, du kannst alles schreiben, ja das ist richtig, aber nichts, was schon andere geschrieben haben und schon gar nicht, so wie schon andere geschrieben hatten. Das ist verboten, das wird mit Höllenstrafen belegt, nachzulesen bei Dante, bei seinem Besuch gemeinsam mit Vergil in der Hölle.

Das ist zwischen 690 und 710 Jahren alt, das brauchen wir doch nicht mehr beachten, die Stimmen der Alles-Erlauber.

Wenn der Großkritiker der deutschen Literatur in einem seiner Anfälle von gut gewählten Bonmots einmal sagte, dass es in der deutschen Literatur verboten sein müsste, über Mondnächte, die Liebe und Venedig zu schreiben, so heimste er dafür den Applaus des gesamten Feuilletons ein, das stimmt schon, darauf braucht man nicht unbedingt Wert zu legen, war der Einwurf des Anderen.

Wir haben sowieso schon genug Einschränkungen: wir dürfen nicht mehr sexistisch schreiben, wir dürfen nicht mehr Neger verwenden, die Warmen sind auch tabu geworden, was willst du uns noch verbieten?

Ich will euch gar nichts verbieten, es geht nur darum, Regeln einzuhalten und nicht nachzubeten, was andere schon vor uns erledigt haben. So der Andere.

Komme zur Sache, werde konkret, erschallte der Ruf.

Nun gut, ihr wisst alle, derjenige der als erster die Reime von Herz auf Schmerz fand, auf Rosen und Kosen, der war ein Genie – sind wir uns da einig?

 

Einverstanden, weiter!

Gut so, das heißt, alle die diese Reime heute noch verwenden, sind ganz gemeine Diebe, mehr noch, was ist das Gegenteil eines Genies: sie sind einfach literarische Trotteln.

Alle, die heute noch darüber und davon schreiben, dass im Frühjahr die Knospen sprießen, im Herbst die Blätter fallen und im November die Krähen im Nebel herumirren, sind hoffnungslose Nachahmer, Abschreiber und haben es nicht verdient, dass man ihr Geschreibe mit schr statt mit sp bezeichnet.

Wenn es aber die Menschen reizt und es sie herausfordert, das Erleben so wie sie es sehen darzustellen!?

Dann sollen sie zuerst einmal lesen, wie schön das schon vor ihnen geschrieben wurde – und nicht nur einmal! so der Andere, schon leicht zornig geworden.

Wir wollen aber unseren Lesern mitteilen, dass die Schneewolken alles zudecken, die abgefallenen Blätter am Boden rascheln, es ist ja so schön und die Menschen haben oftmals den Blick dafür verloren, und den wollen wir ihnen wieder zurückgeben.

Mit gestohlenen Worten und Bildern? Das ist kein ehrenhaftes Verhalten, das ist eines Dichters unwürdig. Wenn er nicht in der Lage ist, diese Zustände mit seinen eigenen Worten zu beschreiben, dann soll er es bleiben lassen. Die Sprache ist unser Werkstoff, den müssen wir formen, damit müssen wir arbeiten um Neues zu schaffen.

Und wenn uns das Herz übergeht, die Freuden, aber auch der Kummer, so wie die Dichter früher sagten, das Herzeleid uns übermannt?

Dann müsst ihr aufpassen, dass es euch nicht überfraut, zynisch wie immer der Andere. Und dann noch etwas: ihr könnt alle anfangen Gedichte zu schreiben, sogar mit Reimen und in Versen, aber lasst euch gesagt sein, ein Gedicht in falschen Reimen und mangelhafter Rhythmik ist nicht einmal als Klopapier zu gebrauchen. Du kannst anfangen damit, aber nur als Übungsstück, als Etüde um dich zu zwingen, die Formen auszuprobieren, damit umgehen zu lernen und dann deine eigene Ausdruckweise zu finden. Deine eigene und nicht eine kopierte, abgeschriebene! Gute Nacht allen miteinander – jetzt ist ein Bier fällig, damit beendete der Andere diesen Abend, wohl wissend, damit auch auf Widerspruch gestoßen zu sein.

 


 

EINLADUNG

Liebe  Freunde, Literaturinteressierte, Schifahrer, aber auch Geschäfts- und Berufskollegen!

 

In der Beilage bekommt Ihr heute eine Einladung ganz besonderer Art. 

Zwei Menschen dachten darüber nach, was das Leben so eigentlich spielt, mit den Mitspielern vorhat, jedenfalls wie das pralle, wirkliche Leben auch in der Literatur fassbar sein könnte.

Der Besuch des Museums der "gescheiterten Beziehungen" in Zagreb brachte mich auf die Idee, die Fülle der Texte die im Laufe von 30 Jahren Schreiben entstanden sind, auch nach diesem Gesichtspunkt zu ordnen. "Rosenkriege, Scheidungsleichen, gestörter Beziehungen" nannte ich meine Sammlung. Es war nahe liegend zu erkennen, da gehört auch die zweite Seite dazu. Ich fand sie in der Person einer Kolumnistin, die sich auch schon lange damit auseinandersetzte. Sie gab ihrer Auswahl den Namen "Miteinander, nebeneinander, durcheinander". Und unser Dritter im Bunde, Wolfgang Leitner, ein Musiker aus Kapfenberg fand auf Anhieb den richtigen Ton zwischen den Texten.

Nach einer durchaus gelungenen Generalprobe gehen wir auf Wanderschaft. Unsere erste Station ist Hartberg. Meine Kollegen von RKP - Business Consultants geben uns gerne und großzügig die Möglichkeit, das Programm vorzustellen.

Ich schlage vor, auch einmal ausspannen, auch wenn es womöglich irgendwo zwickt, man nicht gut drauf ist, was anderes eigentlich vorhatte usw. setzt Euch ins Auto und kommt am 10. April nach Hartberg. Das Business Center RKP/TAC ist von der Autobahn A2 Abfahrt Hartberg oder bereits in Sebersdorf oder über die B 54 leicht erreichbar! Sogar die Navis finden hin und schicken Euch nicht in die Irre: Schildbach 111 ist die Adresse.

Ich freue mich auf zahlreiche Freunde, bitte gebt mir oder unserem Büro kurz Nachricht, ob ihr kommt - damit auch genügend Platz (und sonstiges) vorbereitet ist!

 

Mit herzlichen Grüßen und den besten Wünschen für ein schönes Osterfest verbleibe ich:

Hans Bäck

 

                    

 

Veranstaltungseinladung: Dichterlesung mit Hans Bäck und "Volitiva"

Wir möchten auf diesem Wege auf eine ganz besondere Veranstaltung hinweisen:

 

Am Freitag, 10. April um 18 Uhr laden Autor und Unternehmensberater Hans Bäck und "Volitiva" - "Autoren Neueinsteigerin" sowie Kolumnistin der Zeitschrift Living Culture, zu einer Dichterlesung ins TAC Businesscenter ein.

Ein Abend für jene Menschen, die um die Wechselwirkungen des Lebens Bescheid wissen, bereit sind nicht immer alles tierisch ernst zu nehmen und die Freude am Spielerischen beibehalten haben.

Die Literatur beschäftigt sich immer mit dem prallen Leben und das besteht nicht nur aus Honeymoon, und blauem Himmel über Rosenbeete. Schwankungen in der ewigen Liebe, Spannungen, schauen über den Zaun des Nachbarn, all das, was die Beziehungen zwischen Mann/Frau, Frau/Mann, Mann/Mann, Frau/Frau sooft stört und dadurch spannend macht, war und ist immer schon Thema der Literatur.

Oscar Wilde sagte einmal „Ewige Liebe und Laune sind dasselbe, nur dauert die Laune länger an“.

Nun muss es doch so sein, dass zu diesem Thema eine Frau und ein Mann, ihre Texte, Lyrik und Prosa – gut gemischt – vorbringen.

Gedichte, Prosatexte, sogar kurze Szenen eines absurden Theaterstückes wechseln sich ab. Und immer, so hofft der Autor, ist ein leichtes Lächeln zu merken. So, als ob man das alles doch nicht so ernst nehmen sollte...

Für musikalische Begleitung sorgt Wolfgang Leitner vom "AkustikgitarrenProjekt".

 

Die Veranstaltung ist kostenfrei. Um Anmeldung wird höflich gebeten: office@rkp.at oder 03332/6005-100

 


 

Bäcks Nachlese  -  3. und 4. Quartal 2013

 

Liebe Literaturinteressierte!

Es ist ja niemand aufgefallen oder gar als Manko bemerkt worden, dass ich das 3. Quartal ausgelassen habe. Aber – so beginnt jede Entschuldigung, warum auch nicht meine?

Ich habe zumindest einen plausiblen Grund anzuführen: Bis Ende November „jagte“ ein literarischer Event den anderen: Zuerst die Schreibwerkstätte in Piran, verbunden mit einem Treffen von Autorenkollegen aus Slowenien, Italien, Deutschland und Bulgarien – eben der Europa-Literaturkreis, dann die Lesereise nach Potsdam, die Reibeisenvorstellungen in Berlin und Kiel, die Teilnahme an der Arbeitstagung des Verbandes Freier Deutscher Autoren und last but not least: Die Fertigstellung meines Manuskriptes für das neue Buch und die Weiterleitung an den Verlag in Berlin. Jeder Autor kann gerade das Letztere verstehen, was da an Anspannung, Druck und Korrekturenwut über einen hereinbricht. Aber es ist geschafft, nun ist das Manuskript beim Verlag und das Warten auf die Zusage und den Erscheinungstermin beginnt. Das heißt die Zusage war ja schon da, bei der Lesung in Potsdam brachte ich auch einen Kurzauszug und „meine“ Verlegerin Simone Barrientos sagte spontan „Das Buch machen wir!“ Nur kommt es eben oft anders als man denkt: Nach meiner Rückkehr von meiner jährlichen Schiwoche in Südtirol lag eine E-Mail des Kulturmaschinen-Verlages vor, dass die Arbeiten eingestellt werden. Keine neuen Bücher mehr aufgelegt, die bestehenden Verträge laufen aus – usw.

 

Wie immer habe ich eine Reihe von Vorfällen, Ereignissen usw. aufgezeichnet um dann zu gegebener Zeit – eben zur Nachlesezeit – meinen Senf dazuzugeben.

Also, fangen wir an:

 

Da gab es im 3. Quartal, gleich zu Sommerbeginn das Jubiläumsheft des Prof. Alfred Kolleritsch: die 200. Ausgabe der „Manuskripte“ eine enorme Schwarte wie wir in Österreich so sagen. Über 400 Seiten! Dann die ständige Frage derer, die in der tiefen obersteirischen Provinz sitzen und vom Kulturbetrieb in der Landeshauptstadt nicht wahrgenommen werden: Was hat der Kolleritsch, was wir nicht haben?
Nun einmal, das fällt gleich beim „Anlesen“ auf, so viele Druckfehler wie sie in dem Jubiläumsheft vorkommen, haben wir während der gesamten 30 „Reibeisenjahre“ nicht produziert! Natürlich: Prominente Namen, mit einer Nobelpreisträgerin können wir nie und nimmer aufwarten, und dass trotzdem eine Reihe von so genannten Gähn-texten vorkommen? Aber anscheinend galt die Devise: Texte müssen her! Aber von der Nummer 200 der Manuskripte war das steirische und österreichische Feuilleton voll. Gut, die prominenten Namen garantieren dafür!

 

Da gab es im Sommer ein Konzert oder einen Auftritt eines gewissen Robbie Williams in Wien. Der wurde natürlich von den Seitenblicken abwärts bis zu den Qualitätszeitungen und zum so genannten Boulevard ausführlich gewürdigt. Obwohl oder weil er in einem Interview sagte, dass er sich für seine Bühnenauftritte immer die „mit dem größten Busen“ aussuche. Wo blieb das Aufheulen der Feministinnen? Keine Buhrufe, kein Pfeifkonzert, die Zeitungen in den nächsten Tagen: Schweigen im Walde – ausgenommen Frau Anneliese Rohrer  in der „Presse“. Was gab es für ein Geheul, als in Deutschland ein gewisser Rainer Brüderle bei einem Parteitag Ähnliches von sich gab! Der Aufstand der Berufsfrauen in allen Medien war gewaltig und unübersehbar! Zu Beginn der Wahlkampagnen im Sommer gab es auch Auftritte einer Gruppe, die für das Team Stronach warb und dabei bedeutungsvoll mit ihren Popos wackelte. Jede, aber wirklich jede drittklassige (diese Bezeichnung wähle ich bewusst und in voller Absicht!) Journalistin musste den Herrn Stronach wegen dieser Hinternschupfenden Mädchen ansprechen. Wogegen der Herr Williams niemals zur Rede gestellt wurde. Der eigentlich erwartete „shitstorm“ in den Social Medien blieb aus. Wie gesagt, ausgenommen die Frau Rohrer in der „Presse“ fand den Auftritt und die Aussage des Williams genauso widerlich.

 

Die Zentralmatura kommt ja ab 2015 nun fix, einige mathematische Zähne wurden ihr ja gezogen, nichts hört man aber davon, dass die Proteste der IG-Autoren etwas genützt hätten. Das bedeutet nichts anderes, als dass in Zukunft die Matura in Österreich ohne Literatur ablaufen wird. Literatur ist kein Bestandteil mehr für die Reifeprüfung! Ach ja wie schrieb schon unser einziger Klassiker Franz Grillparzer: „Es mag sein, dass in Sachsen und am Rhein es Leute gibt die mehr in Büchern lasen ...“ Ich frage mich nur, wer von den künftigen Maturanten wird den Herrn Grillparzer dann in zehn oder zwanzig Jahren auch noch kennen, wenigstens die Titel seiner Werke wissen? Ich wohne ja in einer Grillparzerstraße, man solls nicht glauben, wie bei den Postanschriften heute schon der Name des Dichters verhunzt wird!

 

Da gab es vor der Wahl im Herbst wieder einmal den Aufruf, den Pflegekräften mehr zu bezahlen und eine wahlwerbende Partei stellte die berechtigte Frage, warum eine Frau in diesem Beruf, die genauso schwer arbeitet wie ein Bauarbeiter um soviel weniger verdient. Ich will mich ja nicht in Kollektivvertragsangelegenheiten einmischen, aber soviel ist mir aus meiner Tätigkeit noch bekannt; Kollektivverträge regeln Mindestentlohnungen und keiner Organisation oder Firma ist es verboten mehr zu bezahlen. Das geschieht ja auch, gerade dort, wo Arbeitskräftemangel herrscht müssen die Arbeitgeber über den KV bezahlen, sonst kriegen sie keine Mitarbeiter oder nur solche die mindergeeignet sind. Das ist eben das Gesetz von Nachfrage und Angebot. Daher verstand ich im vergangenen Herbst ein diesbezügliches Flugblatt einer wahlwerbenden Partei nicht: Genau jene, die in den Gemeinden welche über die Sozialhilfeverbände die Mehrheiten stellen, haben es ja selber in der Hand, mehr zu bezahlen. Was soll daher die Forderung? „Mehr Lohn für die Mitarbeiterinnen in den Pflegeberufen!“ Zahlt einfach mehr, ihr habt es ja selber in der Hand!

 

Dann erhielten wir es Schwarz auf Weiß, was ich schon vor zwei oder drei Jahren hier in einer der Nachlesen schrieb: Da gaben die Kapfenberger Fußballer ein Kurzgastspiel in der obersten Spielklasse der Österreichischen Bundesliga. Und von dort an, gab es ständig Berichte über Verwicklungen von Kapfenberger Spielern in die div. Wettskandale. Doch beweisen konnte man ja nix! Nun aber ist die Katze aus dem Sack! U-Haft über ehemalige Spieler der Kapfenberger Fußballer usw. Sehr geehrte Leser dieser Nachlese: es ist mir vollkommen wurscht, wie bei Sport geschoben, geschwindelt, betrogen wird, ich widme diesen Ereignissen üblicherweise keine Aufmerksamkeit. Nur was ich ärgert: Dieser Verein wird noch immer von der Stadtgemeinde Kapfenberg unterstützt! Lieber Herr Bürgermeister! Sprich ein Machtwort: Solange nicht alle Vorwürfe aufgeklärt und widerlegt sind, gibt es keine Steuergelder mehr für die KSV 1919!

Unsere Bemühungen um eine Erhöhung der Subvention durch die Gemeinde haben Erfolg gehabt, es gibt für das Budgetjahr 2014 eine Erhöhung. Damit sind wir gerade noch im fünfstelligen Eurobereich angelangt, keine Rede von den sechsstelligen Beträgen nur allein für die Fußballsektion!

 

Wie viele von Euch schon wissen, bin ich begeisterter Anhänger des Radiosenders Ö1. Ich behaupte immer, das ist der einzige Radiosender, den ich auch 25 Stunden am Tag hören könnte. Nun gibt Ö1 seit Jahren schon für die Mitglieder des Clubs Ö1 eine Programmzeitschrift heraus: „Ö1 gehört gehört“ Ein richtiger und berechtigter Titel. Was mir aber das Lesen dieser informativen Zeitschrift immer schwieriger macht, ist die auf die Spitze getriebene „gendergerechte“ Schreibweise. Hat den keiner/keine von den Verfassern/Verfasserinnen der Artikel jemals versucht, den Text flüssig zu lesen? Meinetwegen, schreibt alles in der weiblichen Form, das ist mir egal und es ist lesbar! Ich wage nochmals die Behauptung aufzustellen (bereits mehrfach in diesen Nachlesen geschehen), der Regalbetreuerin im Supermarkt, der Staplerfahrerin in einer Werkstätte hilft das alles einen Dreck! Der Pflegehelferin im Altenheim wäre auch mit einer Lohnerhöhung mehr geholfen!

Ich freue mich jedenfalls schon darauf, dass die Wienerstraße, die Grazerstraße, die Mariazellerstraße nunmehr gendergerecht benannt werden: Wienerinnen-, Grazerinnen-, Mariazellerinnenstraße usw. Ach wie schön, wie spannend und wie wichtig! Fast so wie die Neuschöpfung der bezüglichen Strophe in der Bundeshymne!

 

Liebe Literaturfreunde: Ein aufregendes Lesejahr ging auch zu Ende! Ich habe auf unserer Homepage www.europa-literaturkreis.net/lesetipps eine Reihe von Buchbesprechungen eingestestellt, machen Sie sich selbst ein Bild, welche Bücher mich „vom Hocker“ reißen, welche ich eher nicht empfehle. Alle jene, die mir zugingen, die ich las und NICHT anführte –  nun ja, die sind halt auch nicht erwähnenswert (nach meiner Ansicht). Welche das sind? Das wissen die Autoren, die mir ihre Bücher zur Verfügung stellten.

 

2013 war auch ein Jahr großer literarischer Gedenkstunden. Wir haben in unserem monatlichen Literaturkaffee vieler Dichter gedacht, über ihre Werke gesprochen, sie versucht wieder in Erinnerung zu rufen. Klar, vieles ging, etliches musste unterbleiben, wir haben im Dezember noch der erst verstorbenen Doris Lessing gedacht, wir haben nicht mehr untergebracht, dass vor 100 Jahren das Monumentalwerk Marcel Proust „Auf der Suche nach  der verlorenen Zeit“ erstmals erschien. Es fragt sich, wer wird sich die fast 5000 Seiten antun sie zu lesen? Vielleicht schaffe ich es einmal!

2014 wird auch ein Trakl Jahr, wir werden diesen österreichischen Dichter würdigen, es ist aber auch ein Gedenkjahr für Arno Schmidt (Zettels Traum), sowie für William Shakesspeare, doch lassen Sie sich überraschen: an jeden dritten Donnerstag im Monat (neu, anstelle Mittwoch ist es nun der Donnerstag) im Literaturcafe im KUZ im 2. Stock (im Lesezimmer der Bücherei). Das genaue Thema steht immer rechtzeitig auf unserer Homepage!

 

Nun noch eine persönliche Mitteilung:

Wie schon zu Beginn erwähnt, habe ich das Manuskript meines nächsten Buches fertig gestellt. Nun gibt es noch Restbestände des ersten Romans „Lautsprecher in den Bäumen“ sowohl im Verlag als auch bei mir. Sie können das Buch, so Sie es noch nicht haben, sofort bestellen, in jeder Buchhandlung, direkt beim Verlag „Kulturmaschinen“ in D 10963 Berlin, Wilhelmstraße 119b, aber auch über Amazon. Sowohl als konventionelles Buch als auch als e-book. Aber auch ich habe noch eine geringe Anzahl zu Hause vorrätig. Wer schnell bestellt wird umgehend beliefert. Preis in Österreich €17,50 in Deutschland € 16,90.

Helfen Sie mir, Platz zu schaffen!

 

Und wenn Sie sich für mein literarisches Schaffen interessieren, kontaktieren Sie mich über diese Mailadresse, ich komme gerne in die „entlegendsten Nester“ um in einer Lesung meine Bücher vorzustellen! Fragen Sie nach meinen Konditionen, die im Übrigen den Vorgaben der IG-Autoren entsprechen, wobei das bereits im Zusammenhang mit den KV gesagte gilt: Jeder kann mehr zahlen!

 

Das, meine geschätzten Literaturinteressierten wars für 2013. Ich wünsche Euch ein gutes, erfolgreiches gesundes Jahr 2014 es soll uns allen, auch ein literarisch ergiebiges werden!

Wie immer zum Schluss: Das sind keine offiziellen Mitteilungen des Europa Literaturkreises Kapfenberg, sondern meine persönlichen Ansichten und Meinungen.
 

 

Mit den besten Grüßen

Euer Hans Bäck
PEN-Trieste, Podium, ÖSV/AWA,
FDA-SH/HH, Europa-Literaturkreis Kapfenberg
Literaturkollegium Brandenburg


 

Buchpräsentation

Hans Bäck präsentierte am 29. Oktober 2013 in Potsdam seinen, im Kulturmaschinen-Verlag erschienen, Roman "Lautsprecher in den Bäumen".

Die "Aufwärmrunde" im Schlosspark von Sans Souci durfte natürlich nicht fehlen.

    

    

    

    


 

Tage der deutschsprachigen Literatur 2013

Nun, das wars wieder einmal!

Wie zu erwarten, am Sonntag trat der Herr ORF-Generaldirektor auf und verkündete mit stolzgeschwellter Brust, dass es gelungen sei, den Bachmannpreis für die nächsten Jahre zu sichern. Ein Schelm, wer anderes erwartet hatte bzw. jemand, der die österreichischen Sitten und Gebräuche nicht kennt, der bekam vielleicht noch am Mittwoch bei der Eröffnung wirklich Angst. Also, Ende gut, alles gut?

Na ja, sicher das Unbehagen am Bachmannpreis, an dessen Vergabeprozess, das gibt es nunmehr schon seit 37 Jahren – so lange gibt es das Wettlesen ja schon.

Was nun diesmal?

Auffallend, wie antriebslos, teilnahmslos die Jury über weite Strecken wirkte. So, als ob sie wegen einer lästigen Verpflichtung hätte teilnehmen müssen. Die Juroren verfielen oft in Gemeinplätze, aber hüteten sich davor gemein zu werden. So um Korrektheit bedacht habe ich schon lange keine Jury mehr erlebt. Klar, es muss nicht in alte Zeiten zurück verfallen werden, wo Teilnehmer hingerichtet wurden, wo sich die Juroren hauptsächlich um Ihrer selbst willen darstellten, aber ein wenig mehr Emotionen würde dem Bewerb, dem Ablauf, dem Publikum aber auch den teilnehmenden Schriftstellern gut tun. So herrscht über weite Strecken norddeutsche Kühle, Schweizer Biederkeit und österreichische Gleichgültigkeit vor. Das ist schade. Ganz wenige Stellen, an denen ein Schmarrn auch einmal als solcher bezeichnet wurde. Oftmals wurde in „wissenschaftliche“ Formulierungen geflüchtet um sich vor einer pointierten Stellungnahme zu drücken. Das hängt natürlich auch damit zusammen, dass die Juroren „ihre“ Teilnehmer, also jene, die sie vorschlugen, verteidigen müssen. Da gab es schon einige, die in Erklärungsnotstand gerieten.

Wenn Ijoma Mangold im Interview erklärte, dass zumindest bis zum zweiten Tag die Qualität der Texte so dicht war, wie schon seit Jahren nicht mehr, bin ich fast geneigt, von Realitätsverweigerung zu sprechen.

Noch etwas: so humor - so witzlos habe ich schon lange keine Bachmannpreisveranstaltung erlebt. Immerhin bin ich seit 1986 (mit Unterbrechungen) immer „dabei“ und kann daher Vergleiche ziehen. Dabei wären einige Texte durchaus in der Lage gewesen, auch Humor, Witz und Pfeffer in die Veranstaltung zu bringen. Bei einer Jury in dieser Zusammensetzung ein hoffnungsloses Unterfangen, da kommt kein Witz durch – schade eigentlich!

 

Es stimmt, Wendelin Schmidt-Dengler schrieb einmal davon, dass die Aufgabe des Schriftstellers die des Analytiker, des Diagnostikers sei. Da waren die Texte heuer meilenweit von diesem Anspruch entfernt. Ja, fast hatte ich den Eindruck, dass geradezu  mit peinlicher Genauigkeit alles vermieden wurde, was die aktuellen Probleme ansprechen könnte. Die Not Hunderttausender, wenn nicht Millionen Menschen in Europa, die von einer außer Rand und Band geratenen Finanzindustrie ins Elend getrieben wurden, die Aussichtslosigkeit unzählbarer Jugendlicher im regulären Arbeitsmarkt Fuß zu fassen, die Situation jener Menschen, die mit lächerlichen Zeitverträgen wohl Beschäftigung, aber keine Chance auf ein menschenwürdiges Leben haben, all das wurde – bewusst? – ausgeklammert. Ich kann mir nicht vorstellen, dass bei bis zu 800 Einsendungen für einen Juror kein einziger Text dabei gewesene wäre, der sich mit diesen Themen beschäftigt hätte.

Womit beschäftigten sich dann die Texte? Egal ob ausgezeichnet oder durchgefallen?

Die Preisträgerin Katja Petrowskja aus Kiew erzählte eine Episode aus der Geschichte ihrer Familie, als im Kiew des Jahres 1941 die deutsche Wehrmacht einmarschiert und „Ordnung macht“ „Alle und Sämtliche Juden haben sich am 29. September um 9h Morgens einzufinden...“ Die Babuschka bewundert diese Exaktheit, lässt sich nicht evakuieren und wird vom Cherr Offizehr auf der Stelle erschossen. 

Der KELAG-Preis ging an Verena Güntner mit einem Text, der sich mit einem Heranwachsenden Jungen beschäftigt, der in einer Patchwork-Situation durch alle möglichen Tricks versucht, die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken.

Der 3-Sat Preis ging an Benjamin Maak – die nächste Erzählung, die sich mit pubertären Problemen beschäftigt. Diesmal geht es darum wie einer mit seiner Manie Käfer zu fangen seine Umwelt behelligt.

Den Ernst Willner Preis erhielt Heinz Helle für einen Text über ein Paar, das sich einfach nichts zu sagen hat. Gut lebt und nicht weiß, was es damit anfangen sollte.

Das Publikum ist immer für Überraschungen gut, so auch diesmal. Den Publikumspreis erhielt Nadine Kegele aus Wien. Da ist wenigstens Witz und Humor im Text (klar, dass der bei Jury nicht einmal auf die Shortlist kam). Ja, „Scherben Schlucken“ (so der Titel des Romanauszugs) hat das Zeug für einen guten Roman in sich! Das Publikum hat anscheinend mehr literarisches Gespür als die hochkarätige Jury!

 

Noch ein paar grundsätzliche Überlegungen:

7 Juroren schlugen 14 Autoren vor, also 2 Teilnehmer/Juror.

Auf die Shortlist kamen 7 Autoren:

Von Paul Jandl vorgeschlagen: Verena Güntner und Roman Ehrlich (ohne Preis)

Von Hildegard Keller vorgeschlagen: Katja Petrowskja, Joachim Meyerhoff (kein Preis)

Meike Feßman schlug Larissa Boehing vor – kein Preis,

Daniela Strigl hatte Heinz Helle vorgeschlagen,

und von Hubert Winkels wurde Benjamin Maak vorgeschlagen.

Die Preisträgerin des Publikumspreises wurde von Burkhard Spinnen „ins Rennen geschickt“ ohne auf der Shortlist zu landen (siehe oben)

Die von Juri Steiner vorgeschlagenen Autoren gingen überhaupt leer aus.

 

Ein Resümee:

Es geht weiter mit dem Bachmannpreis, das ist gut so.

Es soll nachgedacht werden, wie es weitergeht, das ist ebenfalls gut so.

Es soll überlegt werden, was und wie geändert werden könnte: das ist sehr gut so!

 

Der Preis ist mit € 25 000,- dotiert, das ist je keine Kleinigkeit. Dafür kann man schon Qualität erwarten und man kann auch erwarten, dass jene, die darüber befinden (die Jury), sich dessen bewusst sind und in Hinkunft der Qualität der Texte mehr Augenmerk schenken.

Es gab heuer sicher Texte – und da bin ich im Widerspruch zum Ijoma Mangold – die bei einem Bewerb, bei dem insgesamt € 54 500,- sowie weitere € 5 000,- als Stipendium für die Stadtschreiberin, zur Vergabe anstehen, nichts verloren hätten. Also, fast € 60 000,- da darf man schon einiges erwarten!

Die Verantwortung liegt nicht bei den Autoren, sie liegt eindeutig bei den Juroren, diese wählen aus, laden ein und beurteilen dann! Da müssten sich die Veranstalter und Juroren Verbesserungen überlegen. Allerweltstexte zu Allerweltsthemen dafür sind die Preise zu hoch!

 


 

Bäcks Nachlese  -  1. Quartal 2013

Liebe Literaturfreunde

Ein Winter der nicht weichen will! Aber die Nachlese kommt, verlässlich.

Diesmal:

1) Reibeisen Nr. 30 – 2013

2) Die Rache des Peter H.

3) Provinzposse 2. Teil

4) Stephane Hessel

5) Bücher: Heinrich von der Haar, Manfred Chobot, Robert Schindel

6) Über das Schreiben von Gedichten

7) Glossen

8) Ankündigungen, Termine

 

1) Reibeisen Nr. 30 – 2013

Es schaut toll aus! Wie seinerzeit unser Ferstl Edi jeweils feststellte, das neueste „Reibeisen“ ist das Beste und Schönste das es je gab! Und wir sind immer noch zu Steigerungen fähig. Viele Seiten Literatur, sehr gute Prosatexte, ausgewählte Lyrik und was uns ganz besonders freut: Literatur aus Slowenien (heuer der Schwerpunkt des Heftes), Serbien, Ungarn, Polen, Bulgarien und natürlich Deutschland. Unsere deutsche Redaktion hat bereits in ihrem ersten Jahr gute Arbeit geleistet! Sehr interessante Beiträge zur Geschichte Sloweniens, zur Stellung der Frau in der NS-Zeit, Künstlerportraits – lassen Sie sich überraschen, am 19. April im Spiel!Raum der Musikschule ist es wieder soweit, bzw. am 25. April in Wien in der Österr. Gesellschaft für Literatur (Herrengasse 5, Palais Wilczek) – kommen Sie, kaufen und staunen Sie!

Das alles trotz schändlich reduzierten Förderungen – dazu lesen Sie bitte unterPkt. 3) dieser Nachlese noch mehr.

 

2) Die Rache des Peter H.

Erstens, Peter H. kann schreiben, das hat er seit vielen Jahren unter Beweis gestellt. Zweitens, er kann am Klavier der Öffentlichkeit virtuos spielen, das hat er 1968 mit der Publikumsbeschimpfung genauso unter Beweis gestellt.

Und er ist, Drittens, der Ansicht, Preise zu verdienen. Ganz besonders jenen, den dann eine Kollegin erhielt. Auch eine Österreicherin, aber nicht aus Kärnten stammend, nicht in Paris lebend, sondern in Wien. Also stellte sich Peter H. die Frage: wenn schon der Preis aller Preise an Österreicher vergeben wird, warum nicht an mich?

Es ist also für Peter H. nicht nachvollziehbar, warum nicht er der erkürte Preisträger war, wenn der Preis schon an österreichische Schriftsteller vergeben wurde.

Da Peter H. ein hochintelligenter Mensch ist, exzellent schreiben kann, sann er auf Rache. An wen sollte sich aber diese Rache richten? An das Komitee in Stockholm? Nein, das wäre zu wenig wirkungsvoll und brächte ihm sofort den Nimbus des Neiders ein. Die Rache sollte jene treffen, welche die Preisentscheidung bejubelten: Die Großkritiker (insbesondere der bundesdeutschen Presse), das Feuilleton, den „Literaturbetrieb“ schlechthin. Wie sollte diese Rache nun aber ausfallen? Ganz klar, mit den Mitteln, die Peter H. zur Verfügung stehen und die er meisterhaft beherrscht. Er begann zu schreiben. Gedanken, die ihm einfielen, als er erwachte „Ein Jahr aus der Nacht gesprochen“ und weil auf diesem Manuskript der Name Peter H. draufstand, fand sich alsbald ein Verleger dafür (Jung & Jung 2010). Nun, jeder Mensch kennt das: Wachwerden, was bringt der Tag, was steht bevor, was habe ich geträumt, wo ist die Zahnpaste – alles diese Banalitäten des Morgens, sie füllen 216 Seiten. Und die Rechnung des Peter H. ging auf: Die Kritiker überschlugen sich vor Begeisterung, egal, was in den Gedanken enthalten war: endlich wieder einen Peter H.! Der Autor saß in seinem Domizil und schüttelte sich vor Lachen. Dann folgte der zweite Streich: „Versuch über den Stillen Ort“ und wieder ging die Rechnung voll auf: Manuskript mit dem Namen Peter H. am Umschlag, und Suhrkamp schlug zu! Da wundert es nicht mehr, wenn junge hoffnungsvolle Autoren bei diesem Verlag keine Chancen haben! Man stelle sich vor: Da sitzt einer am Häusl (auf der Toilette), all das, was ihm dabei durch den Kopf geht, schreibt er nieder, bringt es zu Suhrkamp, die drucken das, machen das Buch, wieder sind zweihundert Seiten voll! Der Autor sitzt in seinem Domizil und schüttelt sich vor Lachen! „Ich kann abgeben was ich will, ob es meine Gedanken beim Wachwerden sind, oder jene beim Schei..en, es ist egal, die drucken alles, wenn nur mein Name draufsteht. Und diese Leute befinden darüber, ob es gerecht war, den Literaturnobelpreis nicht mir zu vergeben, sondern an meine liebe Kollegin!“

Wie gesagt, bei der Intelligenz des Autors und dessen Können, dürfen wir noch einige Ergebnisse seiner Rache erwarten. Es ist anzunehmen, nein, wir können sicher sein, weil auch da wieder Peter H. drauf steht, wirds gedruckt und verlegt. Man muss dem Autor neidlos Beifall spenden, so hat sich noch niemand am Literaturbetrieb gerächt und diesen bloßgestellt, wie eben der erwähnte Peter H.

Das schreibe ich in tiefer Verehrung für Peter Handke!

 

3) Provinzposse 2. Teil

Nun, über das Geld schrieb ich ja schon einmal, es ist nicht besser geworden. Die Kürzung unserer Subvention durch die Stadtgemeinde beträgt rd. 28% aber für die Fußballer ist anscheinend noch immer Geld da, denn bei der letzten GR-Sitzung am 21. 3. stand eine neuerliche Subvention für die Kapfenberger Sportvereinigung auf der Tagesordnung.

Es sind nun 100 Tage seit der Amtsübernahme durch den neuen Bürgermeister. Ich habe das zum Anlass genommen und einen Brief über die Nöte und Wünsche des Europa-Literaturkreises geschrieben. Der Kern des Briefes dreht sich natürlich auch ums Geld. Und der unbescheidene Vorschlag an den Bürgermeister Planungssicherheit für einige Jahre und Anhebung der Subvention, dies würde bedeuten jährlich € 15 000,- auf vier Jahre zugesichert. Damit hätten wir in 4 Jahren gerade einmal 10% der Jahressubvention der Fußballer.

Alle Bürgermeister in Kapfenberg (dabei egal ob es sich um weibliche oder männliche Amtsträger handelt) sehen anscheinend ihre Profilierungsaufgabe auch am Hauptplatz. Jedesmal wurde beim Wechsel der Bürgermeister der Hauptplatz umgestaltet. Inzwischen  ist er leer geräumt und eine Pflasterwüste. Die letzten Kunstwerke, die ja von uns Steuerzahlern finanziert wurden (und eigentlich uns gehörten) sind irgendwo in einem Schuppen des Wirtschaftshofes (hoffentlich). Nun war es im vergangenen Jahr an der Zeit für die inzwischen abgelöste Bürgermeisterin dafür zu sorgen, dass sich am Hauptplatz „was tut“ Und die Kulturabteilung gehorchte pflichtschuldigst: Als müder Abklatsch des Grazer „Aufsteirern“ gab es in Kapfenberg ein „Anherzen“ Musikkapellen, Chöre und Trachtenvereine traten auf, sangen, musizierten. Vom Literaturkreis wurden fünf Mundartautoren aufgeboten, die aus ihren Texten lasen. Teilweise mussten sie auch nach Kapfenberg anreisen. Der ELKK bekam zur Weiterleitung an die 5 Autoren € 100,- (nein, nicht pro Autor, sondern in Summe!) für 4 – 5 Stunden Anwesenheit am Hauptplatz, Anreise und Lesung! Das ist unwürdig, unanständig, degoutant! Ja das ist wirklich unappetitlich! Ich formuliere das bewusst so! Aber wir erinnern an die Biennale, wo wir an die 60 Nächtigungen nach Kapfenberg brachten und dies ohne jede Unterstützung, bzw. zusätzliche Subvention abwickelten.

€ 100,- für 5 Autoren für 4 – 5 Stunden!

Danke Kapfenberg!

Beschämend!

 

4) Stephane Hessel

Ihr erinnert Euch: Das ist jener Mensch, der uns mit 94 Jahren  aufforderte „Empört Euch“ und „Engagiert Euch“.  Hessel ist nun mit 95 Jahren verstorben. Seine Aufrufe, seine Ideen aber werden weiterleben. Nochmals: Sein Auftritt im Parlament in Wien (wurde im TV live übertragen) war ein Ereignis. Mit welchem Engagement Hessel sprach, mit welcher Liebe zu den Menschen zugleich. Hier ist ein großer Mensch von uns gegangen und seine Ideen habe ich zum Glück in den beiden schmalen Bändchen zu Hause und kann nachlesen.

 

5)  Neue Bücher

Ich hatte ja angekündigt, den weihnachtlichen Bücherberg aufzuarbeiten. Es ist geschehen. Eine Fülle von lesenswerten Büchern lag auf meinem Tisch. Über die nicht lesenswerten Bücher schweige ich, die erwähne ich nicht einmal (aber es gab welche). Um diese Nachlese nicht zu umfangreich werden zu lassen, verweise ich auf unsere Homepage: www.europa-literaturkreis.net/Lesetipps dort sind die ausführlichen Besprechungen enthalten. Ich gebe hier nur eine Kurzform:

Heinrich von der Haar: „Mein Himmel brennt“ und „Der Idealist“

Beide Bücher im Verlag Kulturmaschinen Berlin.

Romane in der Nachfolge der realistischen Dorfromane, wie wir sie in den 1970er von Innerhofer, von Brigitte Schwaiger u. a. lasen? Ja und nein. Es war für mich interessant zu erleben, zu erlesen, wie die Brutalität des Landlebens nicht nur im alpinen Bereich stattfand, sondern auch am flachen Lande NRW. Das Leiden des jungen Heini, der lesen möchte aber Schweinefüttern muss, der zur Schule gehen will, aber Kartoffel setzen oder Rüben ziehen oder was immer am Hof wichtiger war. Das Erleben der Brutalität des Dorfes in seiner Abgeschiedenheit, das Außenseitersein des Buben, der ja ständig nach Schweinestall stank, dann endlich eine Jugendgruppe erleben können, um dabei gleich die nächste Schädigung zu erfahren, all das, bis es ihm endlich gelingt auszureißen, sich abzusetzen, in die Schule nach Münster zu kommen.

Dort macht er das Abitur, geht nach Berlin an die Uni, landet in einer WG und lernt die aufgeheizte Stimmung der Studentendemos kennen, engagiert sich, und erleidet das Schicksal aller Linkslinken jener Zeit: die permanente Revolution geht an jenen vorüber, für die sie eigentlich gedacht war. Die Siemensarbeiter rufen den Demonstranten zu „geht malochen oder macht rüber in de Osten“ Der inzwischen zum Heiner gewordene versucht sich als Berufsschullehrer, macht die Lehrlinge auf deren Rechte aufmerksam, will sie aktivieren, dafür einzutreten. Er beginnt zu zweifeln, als die Jungen die Lehrplätze verlieren, ja sogar Selbstmord verüben. Zuletzt gerät er noch in eine Falle der Türkenmafia, überlebt gerade noch. Seine Conclusio? „Ich unterstütze Azubis (das sind die bundesdeutschen Auszubildenden = Lehrlinge) nur noch, wenn sie selbst was organisieren!“ und „Das Gerechtigkeitsideal wird wie jede Utopie missbraucht“

Die Stärke des ersten Bandes ist die direkte Sprache, die unverblümte Schilderung der Brutalität, der zweite Band fällt von der Spannung her ab. Wer jedoch die Erinnerung an jene Jahre erleben will, als gegen den Nachrüstungsbeschluss, die Pershing II Stationierung demonstriert wurde, wer vielleicht selber den Pflasterstein gegen die Polizisten warf, Jahre bevor er den Marsch durch die Institutionen antrat, für den ist das Buch interessant und wichtig.

 

Manfred Chobot:

Der Tag beginnt in der Nacht

Sonderzahl Verlag

Kennen Sie, verehrte Leser, den Zustand, wenn Ihnen eine Schachtel mit den Teilen eines Puzzles aus der Hand fällt? Alles ist durcheinander und es gibt die Vorlage, welches Bild entstehen sollte, nicht mehr? Sie wollen jedoch das Puzzle wieder zusammensetzen. Wie beginnen?

Natürlich mit jenen Teilen, die eine gerade Kante haben, denn das sind die Randstücke. So schaffen Sie einmal die Umrandung. Dann können Sie weitersuchen und werden entdecken, was der Autor da alles in seinen Träumen verborgen hat. Sie werden (fast) allen österreichischen Schriftstellern der Gegenwart begegnen, wenn es Ihnen gelingt, die Puzzleteile zu entschlüsseln und richtig einzuordnen. Ein Buch, das so richtig Freude macht und Appetit auf das Erkennen, das Enträtseln. Das Buch, der Autor, gibt uns nichts vor, wie einzelne Passagen zu „verstehen“ seien, es ist jeder eingeladen, sich selbst seine Träume hineinzudenken.

Ein außergewöhnlicher Spaß!

 

Robert Schindel „Der Kalte“

Suhrkamp

Lange hats gedauert, bis der zweite Roman Robert Schindels erschien. Hat sich das Warten gelohnt? Das mag für viele Leser eine unbeantwortbare Frage bleiben. Nochmals die Zeit der Waldheim-Affäre aufrollen? Wieder die Zeit aufarbeiten, die Vergangenheit bewältigen? Das Buch wurde in der Presse ja schon hinlänglich besprochen und vorgestellt. E ist natürlich meisterhaft geschrieben, wie ja bei Schindel nicht anders zu erwarten.  Es ist verschlüsselt und verklausuliert – warum eigentlich? Die meisten der geschilderten Akteure sind entweder tot oder nicht mehr in Österreich. Der Lesegenuss stellt sich m. E. erst dann ein, wenn man in der Lage ist, mindestens 60% der handelnden Personen zu identifizieren. Wenn man draufkommt, hinter welchem Pseudonym sich Vranitzky, Sinowatz, Hrdlitschka, Peymann, Bernhard, verbergen, wie sich die dann mit den Romanfiguren, den erfunden und gelebten, verbinden und die Zeit erleben, dann kann man als Leser herzlich lachen. Schindel zeigt uns ein Panoptikum der Wiener Jahre 1984 bis 1989 detailverliebt, nein: detailversessen. Es würde Spaß machen, die Wege des Edmund Fraul einmal in Wien nachzugehen, die Lokale aufzusuchen.

Um zusammenzufassen: für mich als Leser (und Schindel-Verehrer) hat sich das Warten gelohnt! Ein wunderbares Buch. Wenn ich auch nicht in alle Lobeshymnen des Feuilletons einstimme: zeitgeschichtlich, sprachlich: Köstlich! Von der vielzitierten Aufarbeitung bleibt nach einer zeitlichen Distanz von mehr als 30 Jahren nicht viel übrig, umso mehr, auch Schindel seine Protagonisten (rechtzeitig) sterben lässt.

Ein großes Lesevergnügen, das aber viel zeitgeschichtliches Erinnerungsvermögen verlangt.

 

6) Über das Schreiben von Gedichten

„Ach, aber mit Versen ist so wenig getan, wenn man sie zu früh schreibt. Man sollte warten damit und Sinn und Süßigkeit sammeln ein ganzes Leben und ein langes womöglich, und dann, ganz zum Schluss, vielleicht könnte man dann 10 Zeilen schreiben, die gut sind. Denn Verse sind nicht, wie die Leute meinen, Gefühle (die hat man früh genug), - es sind Erfahrungen. Um eines Verses willen muss man viele Städte sehen, Menschen und Dinge, man muss Tiere kennen, man muss fühlen, wie die Vögel fliegen, und die Gebärde kennen, mit welcher die kleinen Blumen sich auftun am Morgen. Man muss zurückdenken können an Wege in u