Rezensionen und Lesetipps

An dieser Stelle weisen wir Sie auf Bücher hin, die auf verschiedensten Wegen zu uns gefunden haben.

Vielleicht können wir mit unseren Besprechungen Ihr Interesse wecken, sie ebenfalls zu lesen.


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Gedankenflüge

von Rüdiger Mendel
Rezension von Josef Graßmugg

Lyrik im Eigenverlag, Herstellung: Druck-Express Tösch GmbH, A-8650 Kindberg, 2015, 84 Seiten mit Bildern von Helmut Königshofer

 

Oft müht man sich durch hunderte Textseiten, um Länder – vom eigenen Umfeld bis hin zu exotischen Weltgegenden – kennen zu lernen.

Oft bedarf es der Lektüre umfangreicher Schmöker, um Zugang zu verschiedenen Glaubensrichtungen und Einblicke in mythologische Geheimnisse zu erhalten.

Rüdiger Mendel ist es gelungen, diese und andere Themen in komprimierter Form verständlich zu beschreiben.

Meist bedient er sich dabei der Form des Haiku, jener aus Japan stammenden siebzehn-silbigen Gedichtform, die sich längst auch im deutschsprachigen Raum etabliert hat.

Bei Bedarf werden die literarischen Texte durch Fußnoten ergänzt.

Auch wenn es Gedichte gibt, die „naturgemäß“ eine negative Aussage beinhalten, weil eben auch problematische Themen angesprochen werden – die positive Lebenseinstellung des Autors spiegelt sich in zahlreichen Texten wider. Hier eines der Beispiele:

Glücklich sein

 

Mohn glüht errötend.

Gratis mitfahren auf dem

Wolkensegelschiff.

 

Eine Symbiose zu den Texten von Rüdiger Mendel bilden die „lyrischen Zeichnungen“ von Helmut Königshofer.




Der Doktor braucht ein Heim

von Irene Dische
Rezension von Josef Graßmugg

Während die Tochter seinen Umzug ins Heim vorbereitet, lässt der betagte Nobelpreisträger - der Doktor - sein turbulentes Leben Revue passieren: die Banditen eines bösartigen Jahrhunderts und die Frauen seines Lebens. Erbarmungslos direkt beschreibt Irene Dische die erlebte Wahrheit eines an Alzheimer Erkrankten. Es ist nicht irgendein alter Mann, von dem sie erzählt. Es ist ihr Vater.

 

Berühmt wurde der Doktor durch Irene Disches Bestseller Großmama packt aus. Seinenersten Auftritt hatte er 1990 in dieser brillanten Erzählung, in der ihn seine Tochter in ein Altenheim bringt. »Irene Dische genügen 50 Seiten für einen Lebenslauf, der ein Jahrhundert umfasst. Mit weniger käme nur Kafka aus.« Neue Zürcher Zeitung

 

Sollte jemand Einblick in die Welt von Alzheimer-Patienten suchen, hat er natürlich die Möglichkeit, Arno Geigers „Der alte König in seinem Exil“ zu lesen. Wem die 192 Seiten des Romans zu umfangreich sind, sei die Erzählung „Der Doktor braucht ein Heim“ empfohlen. Mit einfachen Worten beschreibt Irene Dische das Leben in einer Welt, die immer mehr Menschen zur Heimat wird.




Siebzehn Silben Ewigkeit

von Denis Thériault
Rezension von Josef Graßmugg

Bilodo ist ein junger Postbote aus Montreal mit Vorliebe für Kaligraphie. Heimlich öffnet er abends über Wasserdampf handgeschriebene Briefe und träumt sich in fremde Lebenswelten. Eines Tages stößt er auf die ungewöhnliche Korrespondenz zwischen Professor Grandpré und Ségolène, einer Lehrerin aus Guadeloupe, die sich Gedichte schreiben. Bilodo verliebt sich in Ségolène und als Grandpré bei einem Verkehrsunfall ums Leben kommt, ersinnt Bilodo einen gewagten Plan: Will er den Kontakt zu Ségolène nicht abreißen lassen, muss er in die Identität des anderen schlüpfen und lernen, wie man mit siebzehn Silben die Ewigkeit einfängt ...

 

Auch wenn mir der Plot, speziell der Schluss ein wenig weit hergeholt scheint – es war schön, dieses Buch zu lesen. Nicht nur, dass Denis Thériault ganz allgemein eine sehr lyrische Sprache verwendet – er gibt auch einen Crashkurs für japanische Literaturformen. Ganz speziell wird das Wesen der Lyrikformen „Haiku“ und „Tanka“ beleuchtet. Thériault beschreibt ausgezeichnet, dass ein 17-silbiges Gedicht noch lange kein Haiku / Senryu ist. Dazu bedarf es wesentlich mehr…




Michael Kohlhaas

von Heinrich von Kleist
Rezension von Josef Graßmugg

 

Die Wiederkehr des 200. Todestages im heurigen Jahr könnte doch ein Anlass sein, wieder einmal zu einem „Klassiker“ zu greifen.

Ich habe mich für „Michael Kohlhaas“ entschieden.

Natürlich hat sich die Welt in den letzten zwei Jahrhunderten sehr verändert. Aber das Ende des Ausgeliefertseins gegenüber Politikern und Beamten gehört noch immer nicht der Vergangenheit an. Wie im Einzelfall auf offensichtliche Fehlentscheidungen oder Provokationen reagiert wird, hängt von vielen Faktoren ab. Eine Extremvariante wird in der Novelle von Heinrich Kleist beschrieben.

 

Eine interessante Lektüre auch im Hinblick auf die Diskussionen zur letzten Rechtschreibreform.

Zweihundert Jahre sind eigentlich ein kurzer Zeitraum. Liest man aber eine Ausgabe des Werkes, die nicht einmal in der Originalschreibweise sondern nur sehr stark daran angelehnt ist, versteht man durchaus, dass sich sowohl Schreibstil als auch die Grammatik verändern „muss“. 

Heinrich von Kleist

* Frankfurt an der Oder 1777

+ Berlin-Wannsee 1811




Der Metzger holt den Teufel

von Thomas Raab
Rezension von Josef Graßmugg

Willibald Adrian Metzger bekommt Gesellschaft. Denn nicht nur die Polizei rückt ihm im wahrsten Sinne des Wortes zu Leibe, auch eine schöne Unbekannte tritt unvermutet in sein Leben. Alles beginnt damit, dass am Morgen nach dem Besuch eines klassischen Konzerts auch für eine Musikerin des Orchesters der Schlussakkord erklingt vorbei ist es für den Metzger mit der Ruhe. Und es dauert nicht lange, bis er neben weiteren Musikerinnen mit durchschnittener Kehle und einem unleidlichen Kommissar auch noch schwerwiegende private Probleme am Hals hat Thomas Raab schickt seinen erfolgreichen Ermittler Willibald Adrian Metzger in einen neuen Fall, in dem gute Musik und die besseren Kreise bedeutende, wenn auch unrühmliche Rollen spielen.

Mit seinen Kriminalromanen um Restaurator Willibald Adrian Metzger belegte Thomas Raab wochenlang die ersten Plätze der österreichischen Bestsellerlisten: Nun ermittelt der Metzger unter Aristokraten und Musikern und bekommt es mit einem gänzlich unkultivierten Serientäter zu tun.

Mehr Infos unter www.thomasraab.com

 





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