04. 03. 2020 - Reibeisen 37

Am 16. April 2020 erscheint die 37. Ausgabe des Kulturmagazins "Reibeisen"

Im Literaturteil werden Textbeiträge folgender Autorinnen und Autoren zu finden sein:

Regina Appel, Michael Arenz, Tina Avdalyam, Hans Bäck, Penka Bangova, Ruth Barg, Dirk-Uwe Becker, Elin Bell, Antoaneta Bogoewa, Heidi Bols-Blum, Timo Brandt, Stefan Breitenfeld, Jens Dittmar, Karl Drechsler-Mörwald, Alex Dreppec, Wiebke Drucker, Karl Forcher, Mitko Gogow, Josef Graßmugg, Ralph Grüneberger, Irena Habalik, Elisabeth Hafner, Joachim Gunter Hammer, Elisabeth Hinterplattner, Marc Paul Jähkel, Marlies Jensen-Leier, Wolf Jost, Ivan Kechlibarev, Barbara Klein, Manfred Friedrich Kolb, Simon Konttas, Dietwin Koschak, Jordan Kowatschew, Isabella Kramer, Bojko Lambowski, Pauline Liebe, Michaela Lipp, Wilhelm Maria Lipp, Paweł Markiewicz, Otmar Matthes, Wolfgang Mayer-König, Eberhard Mayr, Walter Meissl, Evelina Mitewa, Peter Mitmasser, Karl Mittlinger, Emanuel Neumann, Johannes Neumann, Karl Plepelits, Wolfgang Rödig, Dagmar Rosenkranz, Kaia Rose, Anni Schulz, Therese Schwarz, Margarit Shekov, Alisa Sovarzo, Maria Stalder, Christine Steindorfer, Marlies Strübbe, Christine Teichmann, Adi Traar, Sigrid Uhlig, Peter Veran, Volitiva, Fernando Zamora, Waltraud Zechmeister, Günter Zimmel, Alfred Zoppelt




18. 02. 2020 - Nachruf

Rupert Kerschenbauer +

94 Jahre wurde Rupert

1982 kam er zum Literaturkreis Kapfenberg, arbeitete von Anfang an mit, bereits in der ersten Ausgabe des „Reibeisen“ im Jahre 1983 war er mit einem Beitrag vertreten – wie es zu ihm passte: Mit einer Interpretation eines Gedichts von Heinrich Heine und einigen Hai Kai aus seinem eigenen Schaffen (später wurden die dann ja zu Haiku umbenannt). All die Jahre hindurch blieb das, selbst als er 1985 in Bruck den „Literaturturm“ gründete und dann in der Folge diese eigene Zeitschrift herausgab.

Es war immer ein gegenseitiges Geben und Nehmen, Anregen, Diskutieren, Verbessern – einfach all das, was im Alltag von Literaturinteressierten „zum Leben“ gehört. Scharfzüngig, mit geschliffenem Wortwitz vertrat Rupert oftmals seine Ansichten, die niemals – oder sagen wir, ganz selten – dem sogenannten Mainstream entsprachen. Nein, ein einfacher Literat war Rupert nicht, aber einer, der um das Wort gerungen hat, dem es wichtig war, dass die Formalkriterien beispielsweise eines Gedichtes wie Reim, Silbenzahl, Rhythmus stimmten. Und doch, war er kein Pedant, der Abweichungen nicht duldete, wenn die Poesie vorhanden war, konnte Rupert sehr entgegenkommend sein! Wie vielen Startern, Anfängern (Newcomer hat er prinzipiell vermieden) hat er dabei geholfen, die ersten und ärgsten Stolpersteine zu vermeiden. Mehrfach behauptete er, dass es nach Goethe keine Literatur mehr gab, trotzdem war er offen und hilfsbereit für alle, die sich als Literaten versuchten. Selbst wenn es ihm Qualen bereitete, die holprigen Verse anzuhören, er blieb freundlich, nachsichtig. Wo es aber notwendig war streng zu sein, war er unerbittlich.

Sein Herz hing an der Brucker Literaturzeitschrift „LiteraturTurm“ die er unermüdlich und mit großen persönlichen Opfern herausgab. Die Unterstützung durch die „Öffentliche Hand“ war, um es höflich zu formulieren: bescheiden! Rupert hat darunter sehr gelitten, die Verleihung des Goldenen Ehrenzeichens der Stadt Bruck/Mur war eine späte Wiedergutmachung.

Seine lebenslange Hauptbeschäftigung – neben und nach der Literatur – war die Philosophie und hier besonders das Werk Schopenhauers. In den letzten Jahren beeinträchtigt durch eine Augenerkrankung, die es ihm unmöglich machte zu lesen und zu schreiben, müssen für einen Menschen wie Rupert Kerschenbauer äußerst qualvoll gewesen sein! Und Gespräche über diese Thematik? Nun wer kommt jemand im Altenheim besuchen, um über Schopenhauer zu diskutieren!

Ja, er war oftmals schwierig, nicht einfach zu verstehen und zu akzeptieren, aber in seiner Skurrilität ein liebenswerter Mensch. Die Welt der Literatur dreht sich ohne ihn weiter, keine Frage, aber das ist es was zu denken geben sollte. Warum hat ein Literat, der Jahrzehnte seines Lebens der Literatur gewidmet hat, so überhaupt kein Echo in der Welt der Literatur, im so genannten Literaturbetrieb gefunden? Die fehlenden umfangreichen Veröffentlichungen können es nicht gewesen sein. Da ist wieder einmal die Frage zu stellen, ist ein Buch, ein Text für die Öffentlichkeit identisch mit dem Namen des Autors? Ist die Resonanz oder der Auftritt in der Öffentlichkeit von entscheidender Bedeutung für einen Text? Ist es für Kulturredaktionen nur dann eine Meldung wert, wenn ein bekannter Name ein x-beliebiges Buch veröffentlicht hat? Ist es tatsächlich so, dass die Kunst und hier speziell die Literatur die außerhalb von Graz erscheint, nicht mehr wahrgenommen wird? Zählt nur der etwas, der nahe genug an den Adern sitzt, welche den Blutkreislauf der Dichtung in Gang halten? Ich habe oft behauptet, eine Ingeborg Bachmann würde auch heute noch entdeckt werden, nur darf sie nicht außerhalb der Hauptstadt leben. Und da kann derjenige noch so verdienstvoll wirken, alles was nicht innerhalb des Grazer Speckgürtels passiert, ist einfach nicht vorhanden – Rupert Kerschenbauer war auch einer jener, die nicht zur Kenntnis genommen wurden. Außer eben in seiner Stadt Bruck, spät aber doch noch!

Rupert, wir im „Europa-Literaturkreis Kapfenberg“ werden dich nicht vergessen!

Hans Bäck




02. 02. 2020 - Schreibaufruf - Stefanie Roßmanith

Ein neuer Lockdown, ein neuer Schreibaufruf:

Kindberg, Mittwoch, 2. Dezember 2020

Lockdown 2, Tag 16

Tag 264 der Einschränkungen

Stefanie Eveline Roßmanith

Ausgangssituation: wohnhaft in Kindberg

Unter folgenden Adressen findet man „Lesbares“, auch unter dem Pseudonym Eveli Mani und Hanna Roßmanith:

www.evelimani.com

www.MenschenSchreibenGeschichte.at

 

Das Weihnachtsfest immer wieder anders

Ob klein, ob groß, ob alt, ob jung; wer mag sie denn nicht, die Weihnachtszeit!

Und wenn jeder/jede von uns dieses wunderschöne Advent- und Weihnachtsritual Revue passieren lässt, wird er/sie mir wohl beipflichten müssen, dass sich dieses Ereignis im Laufe unseres Lebens immer wieder einmal verändert hat. Trotz aller Traditionen, trotz aller liebgewordenen Wiederkehr.

 

Meine persönliche Rückschau

1953 … Alte Schwarz-Weiß-Fotografien … am Arm meines Vaters stehen meine Familie und ich dichtgedrängt um ein kleines Tannenbäumchen im Schlafzimmer meiner Großeltern, die ein winziges Holzhäuschen ihr Eigen nennen … es gibt dort weder Strom noch Wasser … im Ofen knackst gemütlich das brennende Holz … Lebkuchen und Kaffee verströmen einen herrlichen Duft … das wichtigste ist wohl nach dem Zweiten Weltkrieg: Gott sei Dank Frieden!

 

1958 … Meine Großeltern kommen jetzt zu uns… während meine Eltern den riesigen Christbaum im Wohnzimmer schmücken, Opa ihnen bei einem Glas Rotwein dabei zusieht, geht Oma mit meinem kleinen Bruder und mir zur Kinderkrippenfeier in die Kirche … zu Hause läutet dann das Glöckchen … Stille Nacht, heilige Nacht … Heiliges Evangelium … musizieren … feiern … gebackener Karpfen, weil den der Opa so gern hat …

 

1990 … Die Großeltern sind bereits verstorben … ich bin mittlerweile verheiratet … gemeinsam feiern wir bei uns vorerst in der Wohnung, später dann im Haus …  mein Mann … meine Eltern und Schwiegereltern … unsere beiden Kinder … Rituale, die über mehrere Jahre gleich bleiben … Schinkenrollen … Christmette …

 

2004 … Heiliger Abend … für meine Eltern, meine Schwiegereltern und meinen Mann zünde ich am dick verschneiten Friedhof Kerzen an … ich fahre anschließend zu meiner Tochter, die sich vor Kurzem scheiden ließ … große Aufregung bei meiner Enkelin … wir haben es schön … alte Rituale … und doch wieder alles neu… so soll es dann bis in die heutige Zeit bleiben … ein bisschen abgewandelt immer wieder … denn meine Tochter hat inzwischen einen Lebenspartner … ich eine Wochenendbeziehung … meine Enkelin einen Freund ... 

 

Der Christtag wird seit einigen Jahren bei meinem Freund gefeiert … seine beiden Kinder, meine beiden Kinder, jeweils mit Family … insgesamt 18 Personen … da geht es recht bunt zu …

 

2020 … Wie wird es wohl heuer sein? Sicherlich ganz anders.

Mein Freund und ich … wir werden es uns zu Hause gemütlich machen … eine gute Gelegenheit, uns darauf zu besinnen, was wir an Schönem haben … gesunde, tüchtige, liebevolle Kinder und Enkel … niemand leidet materiellen Mangel … und … wir haben Frieden … meine Idee ist es, mit jeder Familie gesondert zu den Feiertagen einen Winterspaziergang zu unternehmen … da können die Kleinen mit ihren Rumperln rutschen, und die Großen auf Distanz plaudern … kleine Geschenke ... keine Umarmungen ... im Fokus: Gesundheit, unser höchstes Gut!




30. 09. 2019 - September-Rückblick - Hans Bäck

September – Altweibersommer – Erntezeit – Nachlesezeit  

Fangen wir mit etwas vergleichsweise Harmlosen an:

 

Lasst ihn doch endlich in Ruhe!

Den armen Chorherren auf der Festenburg, den Ottokar Kernstock!

Was wird da gejammert und gejeiert, was werden Pläne gewälzt, was alles umbenannt werden sollte. Die Kernstockstraßen, - die Kernstockgassen, das Kernstockhaus auf dem Rennfeld und so weiter. Die Bilderstürmer sind anscheinend unterwegs!

Der Kernstock war natürlich ein deutschnationaler Dichter, aber allein schon aufgrund seiner Lebensdaten konnte er gar nie ein Nazi sein! Er starb nämlich bereits 1928 auf der Festenburg in der Oststeiermark! Selbstverständlich hat er blöde Verse geschrieben, hat er Hetzartikel verfasst, alles in der Zeit, als der Nationalismus ausbrach! Seine chauvinistische-blutrünstige Kriegslyrik, mein Gott, wer wird das heute noch lesen wollen? Lachen wir darüber! Immerhin gab es Bestrebungen ihn 1916 an Lehrer Pädagogik als Dozent für Poetik, Rhetorik und  Stilistik zu berufen, der Karl Kraus zerriss ihn und sein Schaffen in der “Fackel“. Es wird schon seinen Grund gehabt haben, warum ihn sein Orden in den hintersten Graben der Oststeiermark steckt und ihn dort beließ. Lassen wir ihn  auch ruhen, und die paar Straßennamen werden keine Assoziationen zur NS Zeit hervorrufen!

Denn dann müsste man schon auch andere Umbenennungen vornehmen! Dann dürften wir keinen Zweigelt mehr trinken, denn der Friedrich Zweigelt, der Direktor der Landesobst- und Weinbauschule war nicht nur überzeugter Nazi, illegales Mitglied der NDSDAP seit 1933 und hat zeitlebens davon profitiert. 1975 wurde dann der Name Zweigelt für den beliebten Rotwein in Österreich allgemein gültig ausgewählt. Also, wer Kernstock weghaben will, darf auch keinen Zweigelt mehr trinken!

Aber das geht ja noch weiter! Dann müssten wir auch unser Alpenstadion wieder zurück benennen, der liebenswerte gute Franz Fekete, oder Heinrich Scheibengraf dürfte auch keine Straße benennen. Denn, zum Unterschied vom Kernstock, der allein schon  auf Grund seiner Lebensdaten nie bei der NSDAP oder gar SS gewesen sein konnte, aber nein lassen wir da die aufrechten Antifaschisten werden sich schon was gedacht haben, bei der Namensgebung.

Also, lassen wir den Kernstock in Ruhe, trinken gemütlich ein Glas Zweigelt, gehen am Wochenende zu einem Fußballmatch ins Franz Fekete Stadion und fahren durch die Heinrich Scheibengraf Straße hinaus auf die Wienerstraße. Wir wollen ja keine Bilderstürmer sein!

 

Der nächste Punkt ist schon weitaus ärgerlicher:

Wo ist die Europastadt Kapfenberg denn hingekommen?

Bei den Ortseinfahrten standen jahrzehntelang die stolzen Hinweise „Kapfenberg Europastadt“, es gibt einen Europaplatz, einen Euromarkt, ein Einkaufscentrum Europaplatz, eine Europa-Apotheke, einen Euro-Spar, ein European street food festival, und Eurocity Railjets bleiben auch stehen. Irgendwo im Hinterhof der Stadtgemeinde sogar die Europafahne. Gibt es im Gemeinderat einen Europa-Beauftragten? Im Zuständigkeitsregister auf der Homepage ist von A wie Abfallbeauftragter bis Z wie Zivilschutzbeauftragter alles enthalten, unter E sucht man Europa vergeblich.

Es gibt die Städtefreundschaft mit Frechen, die auch schon sehr reduziert und schaumgebremst ist, zumindest seit dem Zeitpunkt, da in Frechen es im dortigen Gemeinderat keine SPD-Mehrheit mehr gibt (sollen sich die Kapfenberger Roten mit den Frechener Schwarzen treffen und Meinungen austauschen? – Wo kommen wir da hin!). Die Homepage der Stadt Kapfenberg enthält keinen Hinweis auf die „Europastadt“ wurde diese heimlich still und leise geopfert? Womöglich im vorauseilenden Gehorsam um den zu erwartenden Rechtsruck bei der nächsten GR-Wahl bereits Rechnung zu tragen? Es ist ja bekannt, dass die Blauen mit Europa nix am Hut haben.

Gibt es keine aktuellen Städtevereinigungen um den Europagedanken weiterzutragen? Wäre es nicht an der Zeit, die momentan – nicht nur in Österreich – so richtig Europamüde aussieht, über Europa mehr nachzudenken, mehr daraus zu machen? Nicht nur immer daran denken, was „Brüssel alles verordnet“, und dabei zu vergessen, dass alles was aus Brüssel kommt, von den Nationalstaaten mitbeschlossen wurde.

Es schaut traurig aus mit Europa in Kapfenberg!

Ach ja, den gibt es noch! Der Europa-Literaturkreis Kapfenberg hält die Europafahne hoch! Wenigstens jemand der das Europa nicht nur im Namen vor sich herträgt, sondern mit seinen Mitgliedern auch lebt! Immerhin sind von den mehr als 90 Mitgliedern des Europa Literaturkreises Kapfenberg 20 Europäer (und 2 „Überseeische“) Der Austausch der Mitglieder untereinander ist in jedem Jahr beachtlich. So sind die Kapfenberger Literaten immer wieder zu Lesungen und Veranstaltungen in Deutschland, Italien, Polen, Frankreich unterwegs, anderseits kommen die Kollegen aus diesen Ländern zu uns zu den Biennalen, den Literaturworkshops und tragen so einen schönen Anteil zu den Nächtigungszahlen bei. Die jährlichen Präsentationen des „Reibeisen“ bringen weiters immer wieder Autorinnen und Autoren in die Stadt. Seit vielen Jahren ist es ein fixer Bestandteil jedes „Reibeisens“ die Literatur nicht nur der Nachbarländer sondern darüber hinaus aus Europa vorzustellen. Literatur aus Bulgarien, Polen, Russland, Frankreich in den letzten Ausgaben, aber bereits früher wurden die „Nachbarländer“ vorgestellt – nicht nur literarisch, sondern auch in ihrer Geschichte, Wirtschaft, Politik. Wenn Europa in Kapfenberg irgendwo noch lebendig ist, dann im Europa Literaturkreis, dem auch insofern Rechnung getragen wurde, dass seit einigen Jahren eine zusätzliche  „Deutsche Redaktion“ für das Reibeisen gegründet wurde.

Wenn Kapfenberg also keine Europastadt mehr sein will, der Literaturkreis bleibt der Idee Europa treu!

 

Und zum Abschluss, sozusagen, zum Drüberstreuen:

Mazedonien, Nord-Mazedonien, Frühere Jugoslawische Republik Mazedonien ...

Namensstreit und kein Ende! Man ist geneigt als Mitteleuropäer, EU-Mitglied darüber den Kopf zu schütteln, „ja haben die keine anderen Sorgen?“

Natürlich haben sie diese, und wir hauptamtliche Mitteleuropäer werden nicht müde darauf hinzuweisen, was „diese dort unten“ an anderen Sorgen haben. Mit voller Überzeugung sprechen wir davon, dass in der Justiz, mit der Pressefreiheit, der Korruption und was weiß ich noch alles aufgeräumt gehörte, so als ob wir das alles schon erledigt hätten und selber keinen Bedarf in diesen Schwerpunkten hätten! Ja schön wär es, aber es ist ja so leicht, anderen zu sagen, was man selber gar nie in Angriff nehmen würde!

Aber zurück zum Namensstreit. Ich gebe schon zu, es kann so etwas sehr heikel werden, Ich denke daran, wie vor 80 Jahren die Ostmark ausgerufen wurde und Österreich von der Landkarte verschwand. Hat jemand ein Bedürfnis in einer Ostmark zu leben? Ich jedenfalls nicht. Ich könnte mir auch keinen Namen wie z. B. Süd-Deutschland oder Klein-Deutschland oder umgekehrt für den großen Nachbarn die Bezeichnung Groß-Österreich oder Nord-Österreich vorstellen. Es hat schon was mit den Namen für Länder!

Also, wenn sich die Staatsmänner auf einen Kompromiss einigen, sollte man annehmen, jetzt geht es! Aber anscheinend doch nicht!

Wobei das mit den Kompromissen sowieso eine Sache ist. Ich denke nur an die lächerliche Auseinandersetzung um die Grenze zwischen Slowenien und Kroatien in der Bucht von Piran! Ich hin oft in Piran und kann schauen soviel ich will, den berühmten Grenzstrich (wir erinnern uns in den Atlanten waren Grenzen meist als Strich-Punkt-Linie angegeben) habe ich noch nie im Wasser der Bucht gesehen! Da könnte man wirklich sagen, ja haben die sonst keine Sorgen?

Und als mir vor kurzem jemand sagte, er fahre nicht mehr nach Kroatien, weil nirgends auf der Welt so viele nicht verurteilte Mörder herumlaufen, so muss ich ihm beipflichten, vielleicht noch erweitern auf alle jugoslawischen Nachfolgestaaten!

Da meine ich, das ist das größte Problem der Menschen mit dem Zusammenleben. Womöglich, der Nachbar weiß vom anderen Nachbarn und hütet sich, denn die Kalaschnikov ist immer noch vorhanden - und sie wird im ehemaligen Autowerk Zastava – ja das war der „Jugo Fiat“ - noch immer hergestellt und mit Erfolg in alle Krisengebiete der Welt geliefert – ein Exportschlager sondergleichen!

Möchte jemand den Ländern „dort unten“ Ratschläge bezüglich Namensstreitereien geben? Ich weiß nicht, ob nicht ...

Nein auch keine anderen Ratschläge (warum stecken in diesem blöden Wort so unverhohlen die Schläge drinnen???), es steht uns nicht zu!

Hoffen wir auf die Vernunft, die immer noch von der Macht der Wirtschaft ausgeht, ohne den Zwang und dem Druck der Ökonomen würden wir heute noch immer keine Europäische Union haben! Auf die Kultur und die Kulturschaffenden darf man sich bei solchen Vorhaben nicht verlassen, das geht nur über den Druck der Börsen, des Kapitals – alle die das nicht wahrhaben wollen, sollen sich die Entstehung der EU anschauen! Und wenn die Menschen in Mazedonien, Nord-Mazedonien, der Früheren Jugoslawischen Republik Mazedonien draufkommen, welche Lebensstandard-Entwicklungen in einer EU möglich sind, dann wird die Namensgebung bald jene untergeordnete Rolle spielen, die ihr eigentlich zusteht!

Bis Ende Oktober, verehrte Leser verbleibe ich und sammle inzwischen all das auf, was mich ärgert!

Euer Hans Bäck




25. 08. 2019 - August-Rückblick - Hans Bäck

Na, er ist doch zu Ende gegangen,

der heißteste August, seit es Wetteraufzeichnungen gibt (angeblich).

Gut, man kann sich nun wieder anderen Aufgaben widmen, muss nicht ständig in aller Früh nachdenken, welche Blumen, Pflanzen, Gärten usw. wieder zu begießen wären, das erledigt der September für uns – hoffentlich nicht zu intensiv, denn bekanntlich, all zu viel Wasser wollen wir auch nicht. Da sollen sich die Wettermacher auskennen!

Der Literaturherbst hat begonnen, die ersten Neuerscheinungen der Vielschreiber sind am Markt. Und wie immer, wenn einer der Großschriftsteller seinen neuen Jahresroman herausbringt, überschlagen sich die Kritiker vor Freude. Auch klar, den ganzen Sommer über hatten sie kaum etwas zu berichten, nun endlich gibt es wieder neue Bücher. Eigentlich ein mörderischer Job, so im Literaturbetrieb drinnen stehen:

Du musst Jahr für Jahr ein neues Buch herausbringen, sonst heißt es bald „Schreibhemmung?“ und wie wir aus der Wirtschaft wissen, Nichterfüllte Lieferaufträge sind tödlich! Also was bleibt den Damen und Herren übrig als schreiben, schreiben und nochmals zu schreiben. Auch wenn das so Geschriebene, aber nein, das überlassen wir den hauptamtlichen Kritikern.

Es wird wohl wieder so sein, dass ich von einigen Verlagen Neuerscheinungen zugesandt bekomme und um eine Rezension gebeten werde. Da habe ich mir so meine Verhaltensweisen angewöhnt. Wenn ein Buch gut ist, freut es mich und ich schreibe gerne meine positive Beurteilung. Der Verlag freut sich, und gibt die Rezension an den Autor weiter (der sich dann auch freut) und vielleicht werden aufgrund dieser Besprechung einige Bücher mehr verkauft.

Und wenn ein Buch nicht gut ist? Lange habe ich es so gehalten, Verrisse auch als solche zu schreiben, inzwischen denke ich, dass dies gegenüber den Autoren unfair ist, denn sie können sich ja nicht wehren. Inzwischen schicke ich negative Beurteilungen nur mehr an den Verlag, eventuell mit dem Bemerken: „Was ist euch da passiert. Wie konnte so ein Schmarrn durchgehen.“ Und siehe da, einige der so angesprochenen Verlage nehmen das zur Kenntnis und es beginnt sogar eine Korrespondenz zwischen Verlag und mir und fallweise auch dem Autor/der Autorin. Das finde ich schön.

Ich werde daher nie verraten, welche Bücher ich nicht als Lektüre empfehle, da in der Rubrik „Lesetipps“ des Europa-Literaturkreis ausdrücklich Leseempfehlungen ausgesprochen werden (www.europa-literaturkreis.net - Lesetipps von Hans Bäck). Auch der Reinhard Mermi übernimmt meine Rezensionen in seinen Blog. Es gibt also genug Möglichkeiten, sich über neue Bücher zu informieren.

Ich überlege immer wieder, auch solche Bücher zu besprechen, die ich mir selber aussuche, wo ich nicht auf Verlagszusendungen warten muss. Es kommt hin und wider vor, dass ich z. B. im Spektrum der „Presse“ an einem Samstag ein Buch besprochen vorfinde, dessen Beurteilung mich veranlasst, es sofort zu bestellen. Bei dieser Gelegenheit sei mir eine kleine Abweichung erlaubt: Jahrelang kaufte ich meine Bücher bei der einzigen selbstständigen Buchhandlung im Bezirk (denn in der drittgrößten Stadt der Steiermark ist es angeblich nicht möglich eine Buchhandlung zu führen), in Aflenz (für alle Nichtsteirer: ein Marktflecken mit nicht einmal 2500 Einwohnern). Nun ist die geliebte und verehrte Rosina Mayr in Pension, aber sie hat eine Nachfolgerin gefunden, Barbara Freidinger führt nun das „Büchereck“ in Aflenz. Es ist nicht immer alles lagernd, aber bevor ich bei Amazon bestelle, warte ich gerne einige Tage, bis mein Buch da ist. Aber das war eine kleine Abweichung vom „Pfad“, ich bin schon wieder dort, wo ich sein wollte.

Also, Buchempfehlungen aus der „Presse“ (oder dem ORF, anderen Zeitungen). Meist sind die brauchbar und halten das, was sie versprechen, es kommt aber auch vor, dass ich aufgrund der Besprechung ein Buch bestelle und dann: Na ja was ist da passiert, wie konnte das durchgehen? Sind das die Geheimnisse des Literarturbetriebes? Anscheinend. Es ist oft nicht nachvollziehbar, welche Überlegungen in den Verlagen angestellt werden, um dieses oder jenes Buch zu forcieren, diesen Autor hochzujubeln und einen anderen gar nicht erst ins Programm aufzunehmen. Einem Kollegen aus meinem früheren Verlag passierte es einmal, dass ihm in einem renommierten deutschen Verlag mitgeteilt wurde, dass sein Werk durchaus in Ordnung sei, aber aufgrund seines Alters in „seine Entwicklung“ nicht investiert würde.

Wer weiß, wie viele wunderbare Bücher uns auf diese Art entgehen und mit wie viel Schmarrn wir zu den Bücherjahreszeiten Herbst und Frühjahr zugeschaufelt werden. Das sind so die Geheimnisse des Literaturbetriebes. Business as usual!

 

Eine separate persönliche Mitteilung habe ich noch: Zwar schon in einem Newsletter mitgeteilt, ich habe mein neues Manuskript abgeschlossen, es ist nun beim Lektorat, bevor ich es den unergründlichen Wirren des Literaturbetriebes (Verlagssuche) aussetze. Ich bin aber zuversichtlich!

Wenn das Lektorat abgeschlossen ist, werde ich gerne im Rahmen dieser Monatskolumne darauf zurückkommen und eine Inhaltsangabe ins Netz stellen.

 

Noch eine Bemerkung zum Abschluss: Ich schreibe immer noch vom vergangenen August: Da hatte ich die Möglichkeit Polen zu besuchen, und bin neuerlich (nach meiner ersten Begegnung vor drei Jahren) von diesem Land begeistert! Die wunderbaren alten Städte, die wieder so aufgebaut wurden, wie sie vor der Zerstörung durch die deutsche Wehrmacht und/oder die Rote Armee waren, die unglaubliche Sauberkeit der historischen Innenstädte, die Freundlichkeit der Menschen, alles wunderbar. In Danzig bekam ich von der offiziell von uns „eingekauften“ Stadtführerin alle gewünschten Informationen um auf den Spuren von Günther Grass, seinem Oskar Mazerath zu wandern. Ich bleibe dabei: Polen ist nicht nur eine Reise wert, es ist ein Land, das man ins Herz schließen soll!

 

Mit besten Grüßen bis zur Rückschau auf den September

Euer Hans Bäck





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