Rezensionen und Lesetipps

An dieser Stelle weisen wir Sie auf Bücher hin, die auf verschiedensten Wegen zu uns gefunden haben.

Vielleicht können wir mit unseren Besprechungen Ihr Interesse wecken, sie ebenfalls zu lesen.


Rezensionen eingrenzen




Sarania - Das Vermächtnis der Magier

von Simon André Kledtke
Rezension von E X T E R N

Vor etwa anderthalb Monaten wurde ich gefragt, ob ich Interesse hätte, eine Rezension zu schreiben. Zuerst dachte ich mir – besser nicht, aber irgendwann gibt es immer ein erstes Mal. Zu diesem (meinem) ersten Mal habe ich mich aufgrund meiner Neugierde entschieden, denn die Anfrage stammt von einem Jungautor, der bloß ein paar Jahre älter ist als ich.

Sein Debütwerk „Sarania – Das Vermächtnis der Magier“ erinnerte mich zu Beginn sehr an „Eragon – Das Vermächtnis der Drachenreiter“ von Christopher Paolini, doch wenn man hier eine Kopie des Werkes erwartet, hat man sich tief getäuscht. Auch wenn sich die Landkarte, die Namen, und der Beginn der Handlung ähneln, liegen zwischen den Büchern Meilen, vor allem was den Schreibstil anbelangt. Zwar möchte ich nicht behaupten, dass Eragon ein schlechtes Buch ist – nein, ich liebe es. Aber es besitzt in meinen Augen vor allem für die junge Generation einen hohen Wert. Auch wenn die Gespräche in „Sarania“ zeitenweise plump oder abgehackt erscheinen, oder Handlungen zu abrupt enden, macht die Wortwahl alles wieder wett, vor allem da mir dies nur zu Beginn so vorgekommen ist. Nie kam es mir vor, dass mir etwas doppelt erzählt wurde und man merkt, dass es Kledtke sehr wichtig ist, den Leser nicht direkt vor den Kopf zu stoßen.

Aber nun einmal zum Plot. Wie bereits erwähnt kommt es einem zu Beginn vor, als würde man es kennen, doch je weiter man mit dem Lesen kommt, umso spannender wird es. Kledtke baut die Handlung einfach auf, schafft es aber dennoch zu überraschen. Vielleicht schmettert er ein wenig zu schnell auf die Tasten ein, vielleicht wollte er schnell zu den Szenen kommen, die er sich ausgemalt hat, denn es fehlen – für mich – einfach die ausführlichen Beschreibungen, wie jemand aussieht oder wie etwas aussieht, beispielsweise. Aber auch wie Belanir sich fühlt, kommt meistens etwas abgehackt rüber. Ich hätte mir gewünscht, etwas mehr an feineren Beschreibungen zu lesen.

Ich kann sehr leicht über die kleinen Holpersteine hinwegsehen – mit Ausnahme einer Sache: Mir als Frau fällt sowas auf, vor allem da ich bereits etliche Bücher dieses Genres gelesen habe: Die Rolle der Frau ist für Kledtke nur nebensächlich. Es kommen nur sehr wenige weibliche Wesen vor und wenn, dann werden sie in irgendeiner Form abgewertet, die eine ist schwach und naiv, obwohl sie kämpfen will, während eine andere düstere Gedanken hegt und der Gier nachgibt. Letztere kommt nur nebensächlich in der Handlung vor.

Ein weiterer Punkt der mir sehr am Herzen liegt, sind die parallel ablaufenden Handlungsstränge. Ich bin mir nicht sicher, ob der Magier für Kledtke ebenso ein Protagonist ist wie Belanir, oder ob er gar ein Antagonist wird. Ich vermag es nicht zu sagen, doch Sacerak wird mich sicher noch überraschen.

Alles in allem ist Sarania jedoch ein gelungenes Werk, das ich mit Freuden weiterempfehle und von dem ich sicher auch die nächsten Teile lese. Und bis auf diesen Fauxpas mit der weiblichen Rolle (vielleicht überrascht uns Kledtke noch) kann man über jegliche Fehler hinwegsehen – denn wer ist schon perfekt?

Ich für meinen Teil werde dieses Buch ein zweites Mal lesen. Danke für dieses Werk!

Lisa-Marie Tassati




ACHTUNG Staatsgrenze

von Rüdiger Mendel
Rezension von Reinhard Lackinger

Buchtipp aus Bahia - Brasilien

Wichtiger Buchtipp für meine inlandsösterreichischen Landsleute und Ausländer, die gute deutschsprachige Bücher mögen, lesen und verschenken wollen.

 

"ACHTUNG Staatsgrenze"

Erhältlich bei Leykam.

Rüdiger Mendel erzählt in zwei wunderbaren Büchern von seinen Erfahrungen als etwas älterer Wandersbursche entlang der Österreichischen Staatsgrenze zu Slowenien, Ungarn und der Slowakei.

Die Texte sind leicht zu lesen, die Sprache klar, deutlich und unmissverständlich!

Ein humorvolles und tiefgründiges Portrait österreichischer Haltung gegenüber seiner eigenen Vergangenheit, dem Fortschritt und der Gegenwart der "Grenzlandbürger", der Nachbarn, der "Krowotn" und anderen Minderheiten.

Ich habe die beiden Büchel mit Genuss gelesen.

 

Ein interessantes und vor allem nicht zu teures Weihnachtsgeschenk! HoHoHo

abraço

Reinhard Lackinger




Abendland

von Michael Köhlmeier
Rezension von Karl Forcher

Die dem Corona-Virus zu verdankende freie Zeit ermutigte mich, wieder einmal einen „Wälzer“ aus dem Bücherregal zu bergen. Meine Wahl fiel auf „Abendland“ von Michael Köhlmeier. Ich hatte das Buch 2015 auf einem Flohmarkt am Bahnhof Wien-Floridsdorf gefunden.

Der Roman mäandert durch das 20. Jahrhundert, Carl Jacob Candoris, von Köhlmeier mit Cs in Vor- und Familiennamen geadelt, durchlebt fast das gesamte, stirbt 2001. Die zweite große Hauptperson ist dessen Patenkind und Biograf Sebastian Lukasser, der Ich-Erzähler dieses Jahrhundert-Kosmos, in dem Köhlmeier geschickt die Wege seiner Figuren mit denen realer verknüpft und verwebt. So begleitet der junge Student Carl Candoris die Mathematikerin Emmy Noether nach Moskau, trifft sie kurz vor ihrem Tod 1934 nochmals in den USA.

Wie ein breiter Strom mäandert der Roman durch die Zeiten vor und zurück, blickt in die Leben von Carl und Sebastian, wendet sich Georg, Sebastians Vater, einem Gitarrengott, der mit den größten des Jazz spielt und doch nie sein Glück findet, zu, und viele andere Seitenarme öffnen den Blick auf ein Erleben, ein Leben, ein Schicksal.

Wenn es Ihre Zeit erlaubt, lassen Sie sich von diesem lateinamerikanischen Vorarlberger verführen ins Abendland des 20. Jahrhunderts.




Der Feind

von Erich Maria Remarque
Rezension von Karl Forcher

Im Westen nichts Neues, mit diesem Urbild aller Anti-Kriegsromane, wurde Erich Maria Remarque berühmt. Dem Verlag Kiepenheuer & Witsch  ist zu danken, dass in Zusammenarbeit mit dem Erich-Maria-Remarque-Friedenszentrum in Osnabrück ein schmaler Band mit Erzählungen herausgegeben wurde, in dem Remarque in seiner unvergleichlichen Art die seelischen Verwüstungen durch den 1. Weltkrieg zur Sprache bringt.

Erzählungen, die den heroischen Floskeln der Kriegstreiber den Schweiß, den Schmerz, die Verwüstungen der einfachen Soldaten, aber auch der Frauen entgegenstellt. Diese Geschichten spielen großteils nicht im Krieg, im Trommelfeuer. Nein, danach, teilweise Jahre danach. Zeigen die eiternden Seelen,  noch immer verwundet durch die Erlebnisse im Schützengraben. Aber auch den Mut, die Ausdauer, das Weiter-machen der Überlebenden.

Es sind zehn Erzählungen, sieben davon schrieb Remarque für die Zeitschrift Colliers im US-Bundesstaat Ohio, wo sie ins Englische übersetzt erschienen. Remarques Original ist verschollen, diese Erzählungen wurden zurück ins Deutsche übersetzt. Zwei weitere Erzählungen stammen aus dem Nachlass, die zehnte wurde 1920 in einer deutschen Zeitschrift veröffentlicht.

Zehn Erzählungen auf knapp 100 Seiten, dazu ein Nachwort von Thomas F. Schneider, dem Leiter des Erich-Maria-Remarque-Friedenszentrums.

Lesen Sie diese Erzählungen, es dauert nicht lange und immunisiert  auch ein Jahrhundert nach diesem Krieg und  90 Jahre nach dem Schreiben zuverlässig gegen jede Form der Kriegsbegeisterung.




Meine geheime Autobiographie

von Mark Twain
Rezension von Karl Forcher

Eine Autobiografie, die erst 100 Jahre nach dem Tod veröffentlicht werden darf – ein Größenwahn? Ein Test? Ein gutes Herz (oder ein zaghaftes, gar feiges?), das niemanden verletzten möchte? Interessiert es überhaupt noch? Kennt irgend jemand noch den Autor?

Nun, der Autor, Samuel Longhorne Clemens, ist unter seinem Alias MARK TWAIN vor allem dank Tom Sawyer und Huckleberry Finn noch immer ein Begriff. Und es lohnt sich, machen Sie sich auf den Weg durch das Dickicht des Twainschen Erzählkosmos. Diese Diktate, den Sam schrieb nicht selbst, er diktierte, verführen in ihrem Humor, in ihrer Weisheit, aber auch, ja, tatsächlich auch in der Trauer, die den Vater Sam Clemens ob des frühen Todes seiner Tochter Suzsanne ausfüllt, zum Mitlachen, Mitfühlen. Der Tochter Susy, deren kindliche Beschreibungen ihres berühmten Vaters er, sichtlich stolz, zitiert.

Es ist ein Schlendern, vorbei an Wichtigem und Nichtigem, egal, Sommertage ohne Zweckgebundenheit für die Seele.

 

Karl Forcher





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