Hans Bäck

 

Autoren im Würgegriff des Virus

Keine Lesungen, keine Gespräche, und die neuen Bücher bleiben liegen, außer...

 

Ja, außer Du bist ein so genannter „Großschriftsteller“ für den der Verlag alle Zeitungen von „Die Zeit“ bis hinunter zu den Provinzblättern mit Rezensionsexemplaren versorgt. Aber die vielen anderen Schriftsteller, die nicht in jedem Jahr ein neues Buch „herausschießen“ sondern jahrelang am Manuskript arbeiten und dann auf die Verlagssuche gehen, sich freuen, wenn ein kleiner ambitionierter Verlag zugreift und das Buch „macht“.

Ein Auftritt bei der Buchmesse in Leipzig wird geplant, eine Mini-Lesereise im Anschluss daran, Lesungen in der Heimat, Buchpräsentationen, all das mit hohem persönlichen Einsatz des Autors, da der Kleinverlag einfach nicht über die Ressourcen verfügt, eine groß angelegte PR Aktion zu starten.

Und dann schlägt Corona zu! Alles was geplant war, fällt aus. Beginnend mit dem heiß erwarteten Auftritt auf der Buchmesse in Leipzig. Stornomails an die bereits gebuchten Hotels, an die für eine Lesung gewonnenen Veranstalter, Versuche bei ÖBB, DB, AUA usw. die gebuchten Tickets zurückzugeben.

Weit und breit keine Möglichkeit eine Ersatz-Lesung zu organisieren. Ausgangssperre, Absage aller Veranstaltungen. Aber gut gemeinte Aufrufe in den Zeitungen, endlich die Zeit zu nützen und zu lesen. Sogar das e-book kann plötzlich größere Käufermengen ansprechen. Öffentliche Stellen laden ein, das Lesen zusätzlich zu fördern (sperren gleichzeitig die Büchereien zu).

Doch wie soll nun der Autor sein Buch bekannt machen? Über die Social media erreicht er je nach „Freundeskreis“ eine bestimmte Gruppe von Interessenten, aber auch da bleibt das Echo eher bescheiden. Und nun beginnen die Versuche bei den einheimischen Zeitungen, den Provinzblättern, eine Rezension zu bekommen. „Schicken Sie uns ein Rezensionsexemplar!“ Gerne, liebe Kulturredakteure in Graz, Klagenfurt, Wien, Linz, Salzburg usw. Aber bitte bedenkt: Der kleine Autor (der ja gar nicht schlecht schreibt, aber eben nicht jährlich einen Wälzer herausbringt) bekommt von seinem Verlag vielleicht 5 oder wenn es hoch hergeht 10 Freiexemplare, die weggehen wie die warmen Semmeln, denn dem heimischen Kulturfunktionär muss er eines geben, der Tante sowieso, dem guten Freund der schon darauf gewartet hatte und so fort. Wohl wissend, gelesen werden diese eh kaum einmal. Dann nimmt der Autor hoffnungsvoll weitere Freiexemplare und sendet sie an jene Zeitungen, die regelmäßig über Literatur in den Wochenendausgaben berichten. Und wer kennt in den großen Redaktionen diesen Verfasser, der vor einigen Jahren ein Buch herausbrachte, in Anthologien veröffentlich hatte, oder in einigen Literaturzeitschriften? Jedenfalls sind die Freiexemplare bald weg. Und nun kommt die Provinz-Kulturredakteurin und will ein weiteres Freiexemplar. Gut, macht der Autor, schickt ab und wartet. Und es kommt nix. Keine Rezension in der Zeitung, keine Erwähnung in den Lese- und Literaturbeilagen die regelmäßig erscheinen. Fragt der Autor dann nach –erhält er als  Antwort: „Platz ist so beschränkt, wir müssen jene Werke bringen, die am Markt ...“

Außer Spesen nichts gewesen. Keine Rezension, dafür ein Buch verschenkt, das im Verkauf dem Autor wenigstens 40% vom Verkaufspreis gebracht hätte, Porto bezahlt, denn in Österreich gibt es keineErmäßigung für Bücherversand. Und natürlich auch keine Unterstützung durch die heimische Presse (um den diskriminierenden Ausdruck Provinzblattl zu vermeiden). Der Autor bleibt auf seinen Büchern sitzen, der Verlag ist sauer, weil keine Verkaufszahlen vorliegen und überlegt es sich, diesen Autor beim nächsten Buch „wieder zu nehmen“.

Frage eines betroffenen Kleinautors: Müssen die Kulturredaktionen wirklich auf ein Gratis-Rezensionsexemplar bestehen? Könnte man das nicht als kleine Literaturförderung ansehen und eine gezielte Aktion für die bemühten Kleinautoren starten? Natürlich, so ein Autor lebt nicht vom Schreiben, er muss nicht jährlich einen Fast-Bestseller herausbringen! Wobei alle wissen, Bestseller werden nicht geschrieben, sondern gemacht.

Die Arbeit, das Veröffentlichen im Kleinen, das reicht alles nicht, um die Großverlage auf den armen Kerl aufmerksam zu machen und auch nicht, um die heimischen Kulturredakteure zu bewegen, sich einmal um die vielen kleinen Literaten in den versteckten Winkeln unserer Heimat zu kümmern. Ja, in den Bezirksausgaben der größeren Blätter kann es sein, dass eine derartige Buchneuerscheinung erwähnt wird.

Was soll man nun als Klein-Autor machen? Jährlich ein Buch schreiben, wohl wissend, das geht genauso unter? Irgendein großkopferter Großkritiker sagte einmal in Klagenfurt, dass eine Ingeborg Bachmann auch heute wieder entdeckt würde.

Als langjähriger Besucher des Wettlesens in Klagenfurt und genauer Beobachter der Abläufe im Literaturbetrieb bezweifle ich genau das! Wenn ein „hoffnungsvoller“ Autor nicht bereits von einem Verlag nach und in Klagenfurt gepusht würde, hätte er/sie keine Chance.

So, und nun sitze ich auf einigen Büchern und warte darauf, dass sich das Virus verzieht und ich wieder an freundliche Veranstalter herantreten kann, um diese zu bewegen eine Lesung mit mir zu veranstalten. Dann kann ich auch die Kulturredaktion des Provinzblattls anschreiben und um zumindest eine Ankündigung bitten.

War die Situation vor Corona schon beschi.... für uns Kleinautoren, jetzt ist sie trostlos.

 


 

Wolfgang Mayer König

 

DIE VOLLBREMSUNG DER WELT

Leben mit der Zeitspanne der Pandemie

 

Es mag ja zutreffen, dass die Menschen durch die derzeitige Situation zur Besinnung gebracht - und die Umweltbedingungen durch die rigorosen Notverordnungen und Beschränkungen, als eigentlich unbeabsichtigtem Nebeneffekt, verbessert würden. Jedenfalls kann ich nichts Positives an der weltweiten Verarmung und Aushungerung der Menschheit im 21. Jahrhundert sehen, anstatt das Virus auszuhungern, und nicht machtlos zusehen zu müssen, wie sich Viren ungehemmt durch die Menschheit fressen. Ich kann darin nichts Besinnliches, Lehrhaftes, Beugendes oder Abschreckendes erkennen, sondern nur, dass der menschliche Geist in Medizin, Biochemie, Genetik, Epidemiologie und Molekularbiologie doch zurückgebliebener ist, als er vorgibt fortgeschritten zu sein. Mich erreichen täglich dutzender romantischer Aufmunterungssprüche. Sie schaffen es nicht, weil sie meist nur selbstverliebt sind, und deshalb für Trost und Hilfe ungeeignet. Wirksamer Trost und spürbare Hilfe liegt in Maßnahmen, die tatsächlich, und ohne Zweifel, A l l e erreichen können, und in wissenschaftlichen Anstrengungen, die diesen Namen auch verdienen. Auf den Punkt gebracht, wird in letzter Konsequenz seit vielen Jahrzehnten ergebnislos geforscht, warum leblose Nukleinsäure sich so destruktiv in menschliche Zellen parasitenartig einnisten - und ohne Verhinderungsmöglichkeit verheerende Folgen für die Organfunktion anrichten kann. Bei genauem Hinhören sind die Stellungnahmen der Virologen oft nicht profunder als diejenigen unbedarfter Landespolitiker. Was für eine Zeit, in der wir leben! Es ist jedoch berührend zu erleben, wie Menschen, denen untersagt ist, sich auf engem Raum zu begegnen, im Prinzip solidarisch zusammenrücken, alle Gräben und Vorurteile wenigstens vorübergehend zuschütten, um einander auf gleicher Ebene, als ohne Unterschied Betroffene, hilfreich und schützend, ja rücksichtsvoll zu begegnen. Alten und damit naturgemäß auch kranken Menschen wird wieder Achtung und Respekt entgegengebracht. Die bisher brutale Kosten-Nutzenrechnung von Heilungsaussichten in der Gesundheits- und Sozialversicherungspolitik wird jetzt zumindest vorübergehend außer Kraft gesetzt. Es werden nicht mehr nur für Bankenrettungen, ohne Beschluss gesetzgebender Körperschaften, enorme, den Staatshaushalt nachhaltig belastende Finanzhilfen aus Steuergeld, von einem Tag auf den anderen aufgebracht, sondern mit geradezu humaner Leichtigkeit für die Rettung von Menschenleben, so wie für den Schutz von Gesundheit und Würde des Alters eingesetzt. Noch dazu rechtzeitig, und mit zügiger gesetzlicher Absicherung in nützlicher Frist. Nach dem Grundsatz: "Wer schnell hilft, der hilft doppelt". Und das in einer nie dagewesenen Zusammenschau und Einigkeit aller, also der weltanschaulich unterschiedlichsten politischen Kräfte. Was dazu führt, ist also offensichtlich gemeinschaftliches Gefahrenbewusstsein, richtige und rechtzeitige Einschätzung der Dimensionen von Folgen, Achtung vor dem Menschen, insbesondere denen hohen Alters, und nicht zuletzt der unbeirrbare Wille zur Bewahrung, Beschützung und Verteidigung des eigenen Landes, sowohl als tatsächlichem Lebensraum, als auch als historisch gewachsenem, abstraktem Staatsbegriff.

In dieser Hinsicht erweist sich die Politik hierzulande und diesmal als jung, intelligent und unverbraucht.

Allerdings haben jetzt auch die Vorteilsrechner wieder Hochkonjunktur. Die Sattelitenaufnahmen würden es belegen: die Umwelt erholt sich, erhält dadurch eine Verschnaufpause, der Himmel über China zeige keinen Smog mehr, die Luft über den Industriestaaten werde wesentlich reiner, die CO2 Belastung nehme ab, die Abhängigkeit der restlichen Welt vom chinesischen Markt im Allgemeinen und vom Antibiotikaerzeugungsmonopol der chinesischen Pharmaindustrie im Besonderen sei im Schwinden, in den notgedrungen verkehrsberuhigten adriatischen Häfen würden sich Delphine tummeln, die Kanäle in Venedig würden sich von ihrer Verschmutzung erholen und seien stellenweise sogar wieder mit Fischen besiedelt. Ja, so werden die Vorteile der derzeitigen Situation verteidigt. Ein Notenbankchef findet es in einer offiziellen Stellungnahme angebracht, die Reinigungskraft der zu erwartenden Rezession zu loben, und freut sich darauf, dass wirtschaftlich bedrängte und dadurch in ihrer Lebensfähigkeit bedrohte Betriebe, solchem Reinigungsprozess zum Opfer fallen werden. Da sind auch keine korrigierenden oder zurückweisenden Worte des Präsidenten oder des Kontrollrates der Notenbank zu vernehmen. Entgegen aller sonstigen Lippenbekenntnisse scheint den Protagonisten solcher Ansichten das in Stunden und Tagen erzeugte Heer von Arbeitslosen jedenfalls doch mehr oder weniger egal zu sein. Der Bezug auf überholte ökonomische Theorien des Altvaters Schumpeter vermag diese brandgefährliche Geschmacklosigkeit eines Notenbankchefs nicht abzumildern. Mit den Verweisen auf wissenschaftliches Urgestein wird derzeit überhaupt international Schindluder getrieben. Die Regierungschefs Englands, Hollands und Schwedens gefallen sich vorzüglich darin, mit dem Begriff der "Herdenimmunisierung" die Bevölkerung zu zwingen, eigenes Leben in hunderttausendfacher Weise auf's Spiel zu setzen. So schützen Regierungschefs ihre Bevölkerung, indem sie diese in erheblichen Teilen der Selbstvernichtung aussetzen. Schließlich infizierte sich auch der britische Regierungschef, sein Gesundheitsminister, der Thronfolger etc. etc. In Italien starben am Virus 1000 Menschen an einem Tag. Italien hatte bereits 93.000 Infizierte und 11.000 Todesfälle zu beklagen. Deutschland verzeichnete 58.000 Infizierte. In Spanien fanden am Frauentag Massenkundgebungen statt, obwohl sich das Virus schon weltweit verbreitet hatte. Selbst als sich die Frau des Ministerpräsidenten infizierte, waren die Schutzmaßnahmen immer noch nicht durchgesetzt und das Problembewusstsein noch unterentwickelt. Während die USA  bereits 120.000 mit dem Virus Infizierte und 2000 Todesfälle verzeichneten, setzte Trump zwar Gesetze aus Kriegszeiten in Kraft und mobilisierte die Streitkräfte, der Gouverneur des Bundesstaates New York, Andrew Cuomo musste mit dem Präsidenten jedoch darum streiten, dass die 80 Jährigen nicht dem Virus überlassen und preisgegeben werden. Laut dem Gouverneur benötigte New York 30.000 Beatmungsgeräte, Trump erwiderte, dass er das nicht glaube. Er setze nicht auf Meinungen, sondern auf Fakten und Wissenschaft. Es ging dem amerikanischen Präsidenten in erster Linie um den Schutz der Wirtschaft und nicht der Menschen. Er ließ "seine" New Yorker allein und im Stich, als alle 17 Minuten einer von ihnen am Coronavirus starb. Gleichzeitig spielte er mit dem Gedanken, die Stadt, die niemals schläft, unter Quarantäne zu stellen. Unberechenbarkeit und Wankelmut waren genau das, was diese Nation nun am wenigsten brauchte. Einmal mehr erwies sich auch, wir haben es ja schon des Öfteren in der Diskussion um den Einsatz der Atomenergie erlebt, der Rat von wissenschaftlichen Fachleuten als selbstverliebt, selbstüberschätzt und obendrein falsch. Es zeigte sich eben einmal mehr, dass Mediziner, Biochemiker, Genetiker, Molekularbiologen, Pharmakologen und Epidemiologen enorm viel über Alles, aber herzlich wenig über Etwas wissen, nämlich, und hier wiederhole ich mich bewusst, warum leblose Nukleinsäure sich parasitenartig in menschliche Zellen ruinös einnistet und die Organfunktion ungehindert beeinträchtigt und zerstört. Wir schreiben immerhin das 21. Jahrhundert! Und wir steuern, ob wir wollen oder nicht, auf das hoffnungsvolle Motto zu: " Alles wird gut, aber nichts mehr, so wie es war ". Wird auf solche Weise auch die Weltwirtschaft an die Wand gefahren? Die Menschheit, so, wie wir sie zu kennen meinen, für die ausufernde Profitgier, ungebremstes Wachstum, den Vergeudungskapitalismus wie die Müllerstickung aller Meere und Landschaften, für den überbordenden Geschäfts-und Freizeittourismus in der Luft, zu Wasser und zu Land, und ein Ungleichgewicht in der Verteilung der Ressourcen zu schelten,  wäre nur eine gebetsmühlenartige Wiederholung, die auf eine allgemein längst abgestumpfte Wahrnehmung, und dadurch fehlende Akzeptanz trifft. Aber selbst in einer längst als lebensbedrohlich erkannten und eingestuften Ausnahmesituation, wie dieser, handeln verantwortliche Entscheidungsträger mehr als unverantwortlich. Bereits am 9. Februar 2020 war allgemein bekannt, dass die Zahl der Covit-19 Todesfälle bei weitem die Gesamtzahl der Todesfälle der SARS-Pandemie der Jahre 2002/2003 überstieg. Nichts desto trotz wurde auch hierzulande angesichts der unstillbaren, unaufhaltsamen Profitgier heimischer Tourismus- und Vergnügungsbetriebe, so wie mit der Politik "verbandelter"  Seilbahngesellschafter, Hoteliers und Barbesitzer, die unermüdlich als Klientel von Landespolitikern bedingungslos verteidigt und in Schutz genommen werden, auf die Gesundheit von Gästen keine Rücksicht genommen. Als schon die Quarantäne über ganze Gemeinen verhängt war, wurden ungetestete und bereits infizierte Gäste einfach abrupt und ohne fremdsprachliche Erklärung, so wie ohne Rücksicht auf deren Rückflugmöglichkeit, von einer Minute auf die andere, in ferne Länder verabschiedet, oder kurzerhand in eine andere Ortschaft verfrachtet, wo sie entweder in anderen Hotels auf deren verschiedene Abflugtermine warten-, oder wieder ungehindert ihr Urlaubsvergnügen fortsetzen-, und im Zuge dessen zahllose Personen weiter infizieren konnten. Sogar von der Polizei wurden sie dabei, den Dienstanweisungen völlig zuwiderhandelnd, von einem Hotel zum anderen verfrachtet und eskortiert. Die Anderen haben inzwischen das Virus in ihre Heimatländer, wie Island oder Norwegen eingeschleppt, die ihrerseits folgerichtig und pflichtgemäß vor unserem Wintersportland Tirol als einem der international führenden Infektionshotspots in allen Medien warnten. Nicht die beste Werbung für die Behandlung gesundheitlich schutzbefohlener Gäste. Bis man die Flucht nach vorne antrat, und das Land Tirol, als es in diesem Bundesland schon 800  Infizierte gab, die Staatsanwaltschaft einschaltete: die Gemeinde Ischgl soll von einem deutschen Medium darüber nachweislich informiert worden sein, dass es Ende Februar in einem Betrieb einen Coronavirus-Fall gegeben habe, dieser aber nicht dem Gesundheitsministerium gemeldet worden sei. Die Mitarbeiterin soll lediglich nach Hause geschickt worden sein. Wo man sich vor politischer Verantwortung drücken wollte, war man rasch mittels einer praktischen Argumentationsumkehr mit der Forderung nach Eigenverantwortung der Gäste zur Hand, so lange, bis man sich schon so tief in Lügen und Schutzbehauptungen verstrickt hatte, dass nichts mehr überblieb, als sinnloses Stammeln und das Wiederholen von peinlichem, selbstberuhigendem Eigenlob, ähnlich einer katatonischen Echolalie, in allem und jedem politisch  rechtzeitig und völlig richtig gehandelt zu haben. Kein Wunder, dass ein steirischer Politiker selbst sogar an rauschhaften, apokalyptischen, endzeitlich anmutenden Coronapartys, trotz Ausgeh- und Versammlungsverbot, teilnahm. Kein Wunder, dass Politiker gleichzeitig wegen unterbliebener oder zu später Testung von Infizierten, vergessener Testung, unterlassener Behandlung und Betreuung bereits gemeldeter Kontaktpersonen, aber auch wegen notorischen Mangels an Schutzausrüstung, immer und überall prompte Ausreden parat hatten. Das Testmaterial fehle, die Schutzkleidung fehle, es sei kein Nachschub in Aussicht, das Personal für die Ausforschung und Verständigung von Kontaktpersonen fehle, es werde nun einmal von Bundesland zu Bundesland in unterschiedlicher Häufigkeit, und unter unterschiedlichen Voraussetzungen getestet, es gebe kein Wettrennen im Testen, man müsse, wenn überhaupt getestet wird, eben drei bis fünf Tage auf das Ergebnis warten. Inzwischen bleibe es jedem überlassen, freiwillig in Quarantäne zu gehen oder nicht. Man werde ab nun sicher häufiger testen, und die Testkapazitäten künftighin massiv ausbauen, da sich jetzt schon bei jedem 6. ein positives Testergebnis herausstelle. Im übrigen läge nach all' dem das Problem ohnehin in den Dunkelziffern. Selbst mit der Zahl der Todesfälle ging man äußerst sorglos um. Während auf der Homepage des Gesundheitsministeriums neun Corona-Todesfälle angeführt wurden, war gleichzeitig in den Landessanitätsdirektionen von damals schon 16 Corona-Todesfällen die Rede. Kurzerhand wurde die Zahl der Toten vom Gesundheitsministerium eben auf 16 bereinigt, dann in der Woche darauf auf 75 Tote und 8500 Infizierte in Österreich und so weiter und so fort.  Man werde, was denn sonst, die Testkapazitäten in den kommenden Wochen auf 15.000 pro Tag ausbauen müssen. In Wirklichkeit ging die Zahl der in Österreich durchgeführten Tests in der darauf folgenden Woche zurück, die Testungen wurden weniger obwohl die Zahl der Infizierten weiter anstieg. Die Zahl der Tests von 4.962 am Beginn der Woche sank kontinuierlich auf 3.198 am Ende der Woche. Gar nicht zu reden jedoch von der auch ansteckenden Kettenreaktion unterbliebenen Pflichtbewusstseins. Niedergelassene Ärzte schlossen reihenweise ihre zur gesundheitlichen Versorgung lebensnotwendigen Praxen. Ganze Abteilungen von Spitälern und Pflegeheimen, wurden geschlossen. Ganze Krankenhäuser unter Quarantäne gestellt.  Dringend benötigtes Ärzte- und Pflegepersonal nach Hause in Quarantäne geschickt, aber wohlgemerkt, erst nachdem sie eine Reihe von Patienten und Kollegen angesteckt hatten. Obschon die Epidemie, und deren Übergreifen von China auf Europa, längst jedem bekannt war und bekannt sein musste, wurden davon unbeirrt mehrere Ärztekongresse in gefährdeten Gebieten von führenden Klinikchefs und Universitätsprofessoren abgehalten. Auch sie redeten sich darauf aus, sie könnten niemandem etwas vorschreiben, und es hätten ja auch die klinischen Dienststellen niemanden zurückbeordert. Das wahre Pflichtbewusstsein zeigte sich dann schlussendlich klar und deutlich, als zahlreiche Ärzte auch nach vorzeitigem Abbruch des Ärztekongresses noch weiter den dortigen Aufenthalt verlängert, und unbeeindruckt wie unbeirrt, den angebotenen mehrtägigen Skikurs mit Wintervergnügen angehängt, sich dabei reihenweise infiziert, und nachfolgend Patienten und Ärztekollegen weiterinfiziert haben. Auch hat sich etliches Pflegepersonal nicht entgehen lassen, beim ohnehin abgesagten Karneval in Venedig doch noch vorbeizuschauen, oder im verseuchten Mailand shoppen zu gehen. Relativ frühzeitig eingeleitete Maßnahmen der Bundesregierung haben die Voraussetzung geschaffen, Ärgstes zu verhindern. Ein unzögerlich entschlossenes Hilfspaket zur Bewahrung der Menschen vor den Folgen schlagartig eingetretener Massenarbeitslosigkeit und des erzwungenen Totalausfalls von Einnahmen und Erträgen sollte Allen, wirklich Allen helfen und zu Gute kommen. Niemand dürfe dabei auf der Strecke bleiben. Der Staat müsse durch Stundungen, Kreditgarantien, Soforthilfen, als flexibel handelnder Partner dem Bürger entgegenkommen und behilflich sein. An Stelle machtvoller Staatsgewalt solle der helfende Staat treten. So lautete dementsprechend auch die rechtspolitische Argumentation der zügig durchführten, einstimmigen Beschlussfassung dieser einschneidendsten Maßnahmen in National- und Bundesrat, und deren unverzügliche Promulgation. Dennoch schienen das nicht alle Politiker und Beamten wirklich begriffen zu haben und umsetzen zu wollen. Die sowohl für Bildungs- als auch für Gesundheitspolitik zuständige steiermärkische Landesrätin gefiel sich darin, just im Augenblick explodierend ansteigender Infizierten- und Arbeitslosenzahlen in eben ihrem Bundesland, in geschmackloser Weise, öffentlich die Eltern aufzufordern, ihre finanziellen Beiträge für die elementarpädagogische und pädagogische Betreuung ihrer Kinder pünktlich zu entrichten, und jedenfalls nicht darauf zu vergessen, das pünktlich einzuzahlen. Die Schließungstage würden ja später irgendwann wieder vom Land rückerstattet werden. Wie hätte das die Bevölkerung aufnehmen sollen?  Dass so Hilfen, Stundungen, Aussetzungen,  Förderungen, steuerfreie Zuschüsse ohne Rückzahlung, Zuwendungen und Zeichen des Entgegenkommens ausschauen? Die ohnehin von der erzwungenen Abschottungssituation und damit verursachten Arbeitslosigkeit gepeinigten Menschen wurden ganz im Gegenteil mit unnötig vorsorglichen Zahlungserinnerungen und Zahlungsaufforderungen unverschämt urgiert und bedrängt. An Stelle von Erleichterungen wurde unnötiger, zusätzlicher Verwaltungsaufwand, mit den damit verbundenen Mehrkosten provoziert, und wurden Leute vor den Kopf gestoßen. Mehr als eine halbe Million Menschen ist in Österreich arbeitslos. Ein Rekordniveau. Die Kurzarbeitsmodelle wurden in einer Husch- Pfuschaktion unausgereift der Industrie angeboten. Beim Härtefonds verhielt es sich nicht anders. Viele Antragsteller mussten gleich erkennen, dass sie davon gar nicht umfasst sind, alleine gelassen werden, und notgedrungen einer ausweglosen Verzweiflungssituation  entgegenschlittern. Sie wurden mit der Tatsache konfrontiert, dass sie nicht zu den Berechtigten gehören, nichts bekommen, obwohl sie mit ihrem Unternehmen in Folge der zwangsweise angeordneten Maßnahmen nichts verdienen. Wer neben der Selbständigkeit irgendeinen Zweitberuf hat, dort versichert ist, selbst wenn er auch dort nichts verdient, bekommt nichts. Wer wenig verdient oder Verluste gemacht hat, bekommt nichts. Wer zu viel verdient hat, bekommt auch nichts. Unternehmer, die ihre Firma erst heuer gegründet haben, bekommen nichts. Freie Dienstnehmer ohne Gewerbeschein bekommen nichts. Private Vermieter bekommen nichts, obwohl sie, als Konsequenz der Aufhebung der Erwerbsfreiheit von Mietern, keine Miete oder Betriebskosten erhalten, die sie selbst aber zu leisten haben, und damit in die Insolvenz getrieben werden. Das alles hat die dafür gar nicht zuständige Bundeswirtschaftskammer zu vertreten, welcher von der Bundesregierung die Abwicklung übertragen wurde. Zusätzliche Verwaltungskapazitäten mussten da erst aufgebaut werden, die in Teilen der Bundesverwaltung ohnehin vorhanden gewesen-, und die noch dazu automatisch dazu berechtigt wären, über alle Daten zu verfügen. So hatte ein Striptease seiner Daten vor dieser Körperschaft von jedem Antragsteller zu erfolgen, welcher von Haus aus gar keine Kompetenz darüber zukam. Die EU glänzte mit Durchhalteparolen und leeren Worten, und sekkierte Teile der Bevölkerung gerade im unpassendsten Moment gemeinsam mit dem statistischen Zentralamt mittels vielseitiger Fragebögen, die unter Androhung von Verwaltungsstrafen zwingend auszufüllen waren, und zu deren Ausfüllungsanleitung wiederum vielseitige, teure Hochglanzdruckbroschüren beigegeben wurden. Und das zum Zeitpunkt von Schließungen und strikten Ausgangsbeschränkungen. Auf solche Weise wollte man also "Alle" erreichen und wirklich dafür sorgen, dass "Niemand" zurückbleiben-, keiner auf der Strecke bleiben müsse. Zumal dieses Unterfangen solche Formen annahm, mussten doch einige Zweifel daran aufkommen.

Dabei hat es schon vor fünfzig Jahren vorsorglich vorausschauende Reformen und Bestrebungen gegeben, die ich als deren Initiator und Protagonist persönlich bezeugen kann. Ich hatte damals, als rechte Hand von Bruno Kreisky, die Einführung eines Zivildienstes, als alternativ zum militärischen Präsenzdienst verpflichtende Leistung junger Staatsbürger, vorgeschlagen. Trotzdem der Nationalratsabgeordnete Ermacora dieses Ideenkonzept als Vorschubleistung für Drückebergertum verwarf, kein Ministerium sich dieser Materie annehmen wollte, weswegen sie nach der verfassungsmäßigen Generalklausel auch ins Innenministerium wandern hätte müssen, wurde ich von Kreisky mit der Formulierung und Ausarbeitung eines Zivildienst-Gesetzesentwurfs und der entsprechenden Erläuternden Bemerkungen beauftragt. Gleichzeitig erarbeitete ich mit General Spanocchi das schon in meiner Eigenschaft als gesamtösterreichischer, parteiloser Referent der Körperschaft öffentlichen Rechts,  Österreichische Hochschülerschaft, aus deren Reihen ja sowohl die Präsenzdiener als auch die künftigen Zivildiener hervorgingen, das Konzept der umfassenden, also geistigen, gesundheitlichen, wirtschaftlichen, ambientalen und militärischen Landesverteidigung. Da Spanocchi und mir glasklar war, dass es laufend Veränderungen im präsumtiven Feindbild gebe, nämlich nicht nur im engen Sinne der militärischen Landesverteidigung, den sich ändernden Paktverhältnissen, den sich wandelnden Anforderungen an die Neutralität und deren besondere Aufgabenbedeutung, sondern vielmehr in der geopolitischen Abhängigkeit von Rohstoffressourcen, Energiequellen, deren Beförderung, Weiterleitung, Lagerung und Bevorratung, völlig neue nationale, bilaterale und multilaterale Aufgaben zum Schutz der Umwelt in Österreich, hier insbesondere im Hinblick auf grenzüberschreitende Atomstrahlung, Folgen von regionalen- und globalen Klimaveränderungen, grenzüberschreitende regionale oder gar internationale Gesundheitsbeeinträchtigungen, etwa durch Seuchen oder epidemische Infektionskrankheiten.  Es war unser zentrales Thema, dass durch dieses Konzept einer umfassenden Landesverteidigung und eines Zivildienstes, nicht nur der Schutz des Staatsgebietes und seiner Bevölkerung im Allgemeinen, sondern die Abwehr von Seuchengefahren und Epidemien im Besonderen mindestens eine solche Bedeutung haben müsse, wie herkömmlicher Katastrophenschutz etwa bei Überflutungen. Wir fanden nicht viel Gehör. Ich hatte aber Kreiskys Gehör und seine konsequente Unterstützung, all' die acht Jahre bei und mit ihm. Spanocchi war ein systematisch denkender und planender Geist, und hatte eine vornehm menschliche Art zu kooperieren. Heinz Fischer, der damalige SPÖ Klubsekretär, war froh, dass man ihm Arbeit abnimmt, seine diesbezüglichen Briefe liegen heute noch vor mir. Dann gab es einen Beamten im Innenministerium, späteres Mitglied des Verfassungsgerichtshofs, Peter Fessler, den ich ab und an kontaktierte, und dann war da mein eigener Vater, der damals als Chef über die österreichische Erdölwirtschaft im Handelsministerium eine Fülle von Erfahrungen über Ressourcen, Transport und Bevorratung von Energierohstoffen hatte, und mich tatkräftig mit Rat unterstützte. Im Ergebnis wurde mein Zivildienstgesetzes vom Nationalrat beschlossen und erwuchs nicht nur in Gesetzeskraft, sondern entwickelte sich im Laufe dieses halben Jahrhunderts zu einem unabdingbaren, existenznotwendigen Bestandteil der Republik Österreich. Gerade in diesen Tagen erleben wir, wie tausende, dringend benötigter Pflegehilfen und Ersatzkräfte für ausfallende 24-Stunden Pflegehelfer aus Rumänien, Ungarn, der Slowakei und Tschechien, durch freiwillige Meldung, die Bewältigung dieses Notstandes ermöglichen und retten. Während die Bundesrepublik Deutschland Lastwägen beladen mit von Österreich bestellter und bereits bezahlter Schutzkleidung festhielt, beschlagnahmte und nicht ausfolgen ließ, während mehrere Oststaaten die in Österreich beschäftigten Pfleger nicht mehr einreisen ließ, war Österreich eben durch den ordentlichen und außerordentlichen Zivildienst und die  Zivildiener zumindest autarker, gerüsteter. Präsenzdiener und militärische Spezialisten in Logistikfragen halfen den Lebensmittelketten bei der Bereitstellung, Lagerhaltung und Regalbestückung gerade in den Zeiten enormen Kaufandrangs in Folge der Ausgangsbeschränkungen, Betriebsschließungen und der Stilllegung der gesamten Gastronomie.

Das traurigste Kapitel in dieser Zeit, ist jedoch die Tatsache, dass all' meine sonstigen vorsorglichen und vorausschauenden Maßnahmen, die Kreisky damals mit aller Kraft unterstützte, im Laufe der Zeit, nicht nur von seiner eigenen politischen Bewegung, vernachlässigt und ruiniert wurden. Heute würden wir sie wie einen Bissen Brot brauchen.

Kreisky räumte mit der Sorge der ÖVP Alleinregierung auf, mit Schutzeinsätzen des Bundesheeres etwa im östlichen Niederösterreich nicht die Sowjetunion provozieren zu sollen. Kreisky prophezeite, dass es in absehbarer Zeit zum Zerfall des Warschauer Paktes kommen könne, und dass auch im paktfreien Jugoslawien es, nach dem Tod Titos, zu einem noch nie dagewesenen bestialischen Bürgerkrieg kommen werde, mit eventuell nicht unproblematischen Auswirkungen auf das Nachbarland Österreich. Für Kreisky war Krisenvorsorge also eine konsequente Folge und ein unverzichtbares Anliegen. Er beriet sich oft bis tief in die Nacht mit mir, und ließ mir Konzepte zur Umsetzung ausarbeiten. In behutsamen Vorgesprächen mit allen Parteien und Interessensvertretungen verhalf er zur notwendigen Akzeptanz und machte die Krisenvorsorge in der Demokratie "hoffähig" und daher mehrheitsfähig. Heute ist davon kaum mehr etwas übergeblieben. 1975 wurde zwar der heute noch gültige Artikel 9a der Österreichischen Bundesverfassung als "Umfassende Landesverteidigung" einverleibt. Ihm folgte sowohl der Landesverteidigungsplan als auch der Zivilschutz, dessen Verwirklichung sowohl Bundessache als auch Angelegenheit der Länder war und ist. Dazu gehört etwa der verpflichtende Einbau von Schutzräumen in Neubauten, Verpflichtung zur Errichtung von Lebensmittellagern für die längerfristige Versorgung der Bevölkerung im Krisenfall, sowie die Errichtung und jeweilige Befüllung von Rohstofflagern wie Öl, Gas, Kohle und Bevorratung von Energie, wie Strom. Es war innerhalb des Heeres für Gesundheitseinrichtungen zu sorgen, die im Bedarfsfall auch bei Epidemien und in Notsituationen der medizinischen Versorgung heranzuziehen wären. Später hätte das auch unter Beiziehung und Mitwirkung der Waffengattung ABC bei Umweltkatastrophen, Seuchen und Naturkatastrophen mit kurzer Vorwarnzeit, zur Personen- und Objektdekontamination, der Entgiftung, dem Aufspüren gefährlicher Stoffe, der Trinkwasseraufbereitung und Wasserversorgung erfolgen sollen.

Die von Kreisky beschirmte, nun tatsächlich  gesetzgewordene Idee der umfassenden Landesverteidigung ließ er, als Schuldenmacher beschimpft,  mit Mitteln budgetieren und ausstatten, von denen man heute, im Verhältnis, nur träumen kann. Die von uns ins Gesetz eingegossenen rechtspolitischen Zielvorstellungen mussten, und darauf legte Kreisky besonderen Wert, verpflichtend in höheren Schulen und Universitäten vermittelt werden.

In konsequenter Verfolgung der Sicherungsnotwendigkeit des gesundheitlichen Sanitätsdienstes eben auch durch das Bundesheer als "strategischer Handlungsreserve", wurden die Bettenstationen der Heeresspitäler, auch mobile Fertigteil-Modulspitäler mit mobilen Bettenstationen autarker Versorgung und Isolationsmöglichkeit Infizierter und Kontaminierter, so wie mehrere Sanitätsregimenter, die zu effizienten Heeresteilen unter Einbeziehung abgerüsteter soldatischer Ärzte des Milizstandes und qualifizierten Pflegepersonals zusammengeschlossen wurden, bevorratet. Wie dringend würden wir das jetzt während dieser verheerenden Pandemie benötigen.

Von der nachfolgenden Politik außer Acht gelassene, verschlampte, zerschlagene, ruinierte, voll ausgestattete Voraussetzungen, die wir jetzt brauchen würden, weil jetzt, eben jetzt der Ernstfall eingetreten-,  die pandemische Bedrohung voll schlagend geworden ist.

Ich höre noch das dumme politische Geschwätz im Ohr klingen: "Wie lange soll man denn noch den Ernstfall üben, sind doch eh alle gesund, nur diejenigen sind krank im Kopf, die sich vor nicht existenten Bedrohungen fürchten." Auch der Rechnungshof als Organ des Parlaments stieß fleißig in dieses Horn. Wofür sollte man bevorraten und mit sinnlosen Ausgaben aus dem ohnehin schon knappen Staatshaushalt Szenarien finanzieren, die Jahr und Tag nicht eintreten. Auch der Rechnungshof hatte kein Verständnis und keine Geduld mehr für solches Vorsorgedenken und solche Krisenbeständigkeit. Nun schien ausnahmslos allen schlüssig zu sein, es hätte ja offensichtlich auch niemand etwas dagegen einzuwenden, dass es sinnlos sei Steuermittel für Reserven einzusetzen, die offensichtlich nicht benötigt würden, und die keiner brauche. Die Heeresspitäler in ihrer damaligen Form, mit von Fachärzten betreuten Fachabteilungen- und entsprechend darauf ausgelegten Bettenstationen wurden zugesperrt. Das in ganz Europa als vorbildlich geltende umfassende militärisch-zivile Sanitätssystem wurde verabschiedet und demontiert. Nicht unerwähnt soll bleiben, dass die Militärärzte ein gerüttelt Maß an Schuld daran selbst trugen. Von Profitgier getrieben betrieb mehr als ein Drittel der Militärärzte trotz ihrer Volldienstverpflichtung in höchsten Dienstgraden und Gehaltsstufen gleichzeitig und zusätzlich dazu eine gut gehende Kassenordination. Der Leiter des Heeresspitals war obendrein als Präsident der Ärztekammer stets "überbeschäftigt".

Aber das Trauerspiel wurde noch um mehrere Akte verlängert-, das Heer, die umfassende Landesverteidigung, bis unter die Existenzfähigkeit finanziell und ideell ausgehungert. Der Abfall der Budgetkurve des österreichischen Heeres und der umfassenden Landesverteidigung von Jahr zu Jahr mutet wie die Kurve der medizinischen Messwerte eines Sterbenden an.

Das haben sich die Bürger dieses Landes nicht verdient. Denn eines ist sicher und gewiss: die totale Notbremsung dieser Welt brachte ans Tageslicht, dass Österreicher eine unzerstörbare Brüderlichkeit in sich tragen, eine menschliche Empathie praktizieren, weit mehr noch, als auf das Prinzip Hoffnung zu setzen. Über alle Totalbeschränkungen, Einschränkungen und Verluste, wie des Arbeitsplatzes oder der Gesundheit hinaus, ist da etwas, das stärker als alles andere ist, das über alle Einschränkungen, Verbote, Gefahren und Niedergeschlagenheit hinausgeht: lebendig bleibendes menschliches Mitgefühl.